17. November 2016

RezensionUlrich Teusch: Lückenpresse

Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten

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Knapp zwei Jahre ist es her, dass der Begriff „Lügenpresse“ schlagartig prominent wurde. Der Publizist und Politikwissenschaftler Ulrich Teusch, der selbst langjährig für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk tätig war, hat dazu eine beachtenswerte Analyse vorgelegt. Der Titel des Buchs markiert Teuschs Position zwischen den Stühlen: Einerseits äußert er harte Kritik an den Medien, andererseits wendet er sich gegen pauschale Verdammung und gegen den Begriff „Lügenpresse“, den er als „unsäglich“ bezeichnet, obwohl er seine Verwendung gleichwohl „verstehen“ kann. Teusch prangert an, dass die Medien geopolitisch mit zweierlei Maß messen; er stört sich an „notorischem Russland-Bashing“, an der „intimen Beziehung“ zwischen Medien und Politik und kampagnenhafter Empörung. Leser sollten der Außenpolitik nicht abgeneigt sein, denn in knapp zwei Dritteln des Buchs macht Teusch seine Kritik fast ausschließlich an der Russland-Berichterstattung fest. In diesen zwei Dritteln kann Teusch allerdings tatsächlich eine Reihe von überzeugenden Beispielen anführen, die die holzschnittartige Verteufelung Russlands belegen. Dass Teusch die Medien zweifellos aus einer eher linken Perspektive angreift, ändert nichts daran, dass das Buch auch für andere politische Lager lesenswert ist. Der Autor bemüht sich durchaus um Fairness im Umgang mit dem Gegenlager und verwendet das Wort „Rechtspopulismus“ lediglich in Anführungsstrichen. Auch wenn ihm mit der AfD „politisch nichts verbindet“, empört er sich über Zitatverdrehungen durch die „FAS“ im „Fall Boateng“. Lesenswert ist Teuschs Buch, weil er die Ursachen der Medienkrise in ihrer Vielschichtigkeit beleuchtet und dabei Journalisten ebenso wie Medienkritiker zum Nachdenken bringen kann. Die ideologische Linkslastigkeit der Medien wird bei Teusch freilich eher am Rande behandelt; die Ursachen von Propaganda sieht er weniger ideologisch als geo- und machtpolitisch begründet.


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