09. November 2016

Scheinalternative Medien feiern Donald Trump Dieselbe Prozedur wie im Mainstream, Madame?

Mehr vom selben, nur aus anderer Richtung

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Bildquelle: Nicoleta Ionescu / Shutterstock.com Für Kinder geeignet: Kasperle-Wahltheater

Nun steht es also fest: Der mutmaßliche „Outsider“ Donald Trump, angeblich alternativer „Anti-Establishment“-Kandidat, wird 45. Präsident der USA. Zwar existieren nach wie vor keine überprüfbaren, stichhaltigen Belege, die eine solche Charakterisierung Trumps rechtfertigen, zwar gibt es sogar Indizien – vor allem in außenpolitischer Hinsicht –, die eher das Gegenteil vermuten lassen, aber schon überschlägt man sich in manchen – aus meiner Sicht – pseudoalternativen, schein-„aufklärerischen“ Publikationen, um ihn – dem Mainstream zu Zeiten Obamas darin ironischerweise verblüffend ähnlich – zum regelrechten Heilsbringer und „Anti-Globalisten“-Messias zu verklären. Wenn ich da mal auf gewohnt liebreizende Art die Spaßbremse spielen dürfte: Habt Ihr eigentlich komplett Euren Verstand verloren? Es ist mir vollkommen unbegreiflich, wie man sich so irrational verhalten kann.

Geehrte Herrschaften: Donald Trump ist noch keinen einzigen Tag im Amt. Er hat das Oval Office noch gar nicht bezogen. Es ist noch längst nicht klar, welche Politik er nun im Einzelnen tatsächlich umsetzen wird. Aber schon bekommt er den alternativen Friedensnobelpreis verliehen. Wie gesagt, bei mir weckt das betrübliche Erinnerungen an genau die naiven, kindlich-hoffnungsschwangeren Jubelarien, die auch Brzezińskis Blendgranate Obama zuteilwurden, in dessen Kabinett dann dieselben wirtschafts-, finanz- und außenpolitisch bestimmenden Köpfe saßen wie in der Clinton- und Bush-Administration. Oder unter Reagan. Oder Carter. Er hat noch keine einzige Entscheidung getroffen. Also seid doch bitte mal so lieb, mir zu erklären, woher ihr eigentlich diese Gewissheit nehmt, dass nun wirklich alles ganz doll anders und latürnich auch viel besser wird. Ich wäre da lieber etwas vorsichtiger. Und würde meine Hoffnungen – aber genau das ist ja Euer Problem und wird es offensichtlich auch noch längere Zeit bleiben – lieber nicht vorschnell in ein Staatsmonster, einen unersättlichen Moloch, ein gefräßiges Untier von Regierung setzen, dessen sowohl für Amerikaner in innen- und finanzpolitischer Hinsicht als auch für den Rest der Welt in geopolitischer verheerende Politik sich ungeachtet alle paar Jahre wechselnder Präsidentengesichter in den letzten Jahrzehnten kein Jota geändert oder „verbessert“ hat.

Warum fallt ihr regelmäßig auf dieses erbarmungswürdige, kümmerliche Schauspiel herein, dieses Kasperle-Wahltheater für Kinder?

Eigentlich hättet ihr doch selber auf die Idee kommen müssen, im Verlaufe dieses Wahl-„Kampfes“ wenigstens ab und an mal eine Augenbraue zu heben. Gerade was die letzten Meter betraf. Nichts für ungut: Jeder kleine Laufbursche in Washington weiß schon seit mehr als zehn Jahren, wieviel kriminellen Dreck die Clinton-Sippe am Stecken hat. Das ist nun wirklich nichts Neues, absolut nicht. Zumindest nicht in den Vereinigten Staaten, dort wird darüber in alternativen Medien, die den Titel auch verdient haben, schon seit langer Zeit diskutiert. Das Problem bestand ja nie darin, nichts davon gewusst haben zu können, sondern lediglich darin, dass der Alpha-Clinton-Stream dieses politkriminelle Treiben stets unter Berge an Zeitungspapier zu kehren versuchte.

Warum also – ich glaube schon, dass diese Frage große Berechtigung hat – werden ausgerechnet ganz kurz vor der Wahl nochmal Clintons „E-Mails“ mit aller Wucht ins Rampenlicht gestellt? Warum wird die Falschbehauptung verbreitet, es handele sich dabei um „sensationelle“, „neue“ Erkenntnisse, obwohl sie erstens de facto schon viele Jahre auf dem Buckel haben, aber leider das Pech hatten, nicht mit dem Markennamen „Assange“ geschmückt zu sein und man sich zweitens dabei merkwürdigerweise nur auf irgendwelche Mails bezieht, obwohl weitaus schlimmere Verbrechen die politische Karriere der Clintons krönen? Auch wundere ich mich ehrlich gesagt etwas, dass es gleichzeitig (!) einen angeblichen Attentatsversuch auf Trump gab. Statt aber nun die – wiederum völlig berechtigte – Frage zu stellen, ob es sich dabei um einen echten Versuch handelte oder ob Trump damit ganz einfach nur zum Opfer stilisiert und seine behauptete Glaubwürdigkeit als den Globalisten angeblich opponierender Kandidat gefestigt werden sollte, solche Fragen zu stellen ist vielen von euch wohl zu krude ...

Doch lassen wir das, denn selbstverständlich kann man sich vortrefflich darüber streiten, was tatsächlich hinter diesem merkwürdig geschmeidigen Timing ganz kurz vor der Wahl steckte. Das wird wohl im Dunkel bleiben.

Was sich aber definitiv aufklären lässt, was man mit absoluter Sicherheit sagen kann und worüber man den Kopf nicht nur schütteln, sondern trashmetalkorrekt heftigst bangen darf, sind die zu 100 Prozent vernunftbefreiten, kirren Lobeshymnen auf einen neuen Präsidenten, der noch nicht mal ansatzweise bewiesen hat, dass die in ihn gesetzten Hoffnungen auch berechtigt sind.

Hier geht es gar nicht um „Clinton oder Trump“. Hier geht es ganz einfach nur um das gute, alte Stockholm-Syndrom.


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