04. November 2016

US-Wahl Linksaußen für Trump

Die spannendste Wahl seit Carter gegen Reagan

Artikelbild
Bildquelle: David Shankbone(CC BY-SA 3.0)/Wikimedia Commons Überraschend: Susan Sarandon will Donald Trump wählen

Was verbindet Jakob Augstein, Susan Sarandon, Oliver Stone, Matt Damon und die Native American Coalition? Sie unterstützen Donald Trump als das geringere Übel, wenn auch mit Bauchschmerzen. Auch viele Anhänger von Bernie Sanders sind sich nach der Aufdeckung von massiven Wahlfälschungen durch den Clinton-Clan während der Primaries nicht mehr sicher, ob sie der Aufforderung ihres Kandidaten, nach seiner Niederlage Hillary zu unterstützen, nachkommen werden.

Susan Sarandon gab diesen Zweiflern in einem Fernsehinterview eine Stimme. Der Sender hatte das Gespräch anfangs ins Netz gestellt mit der Überschrift, dass Sarandon Trump statt Clinton wählen würde. Nach massiven Protesten aus dem Clinton-Lager aber dahingehend geändert, dass Sarandon nicht wisse, ob sie Clinton wählen würde. Außerdem wurden kritische Statements zu den „seltsamen“ Bemerkungen Sarandons ergänzt.

Im Interview macht Sarandon klar, dass es kaum etwas gibt, was Sanders und Clinton verbindet. „Sie glaubt nicht an das, was Bernie glaubt.“ Clinton stehe für fast alles, was Sanders-Unterstützer ablehnten. Sie nehme Geld von den Multis, sie unterstütze militärisches Eingreifen, sie sei für Fracking. Sarandon scheut sich nicht einmal, darauf hinzuweisen, dass viele Menschen, mit denen sie gesprochen habe, Hillary für eine Lügnerin hielten. Trump sei für viele Menschen die Revolution, die sie erhofften. Er würde die Dinge zum „Explodieren“ bringen. Sarandon setzt hinzu: „Wer denkt, dass es pragmatisch wäre, den Status quo zu stützen, der hat keine Ahnung vom Zustand des Status quo.“

Noch deutlicher wurde Michael Moore in seinem Film „Trumpland“, den er Mitte Oktober überraschend präsentierte. Am Ende des Films heißt es frei übersetzt: „Trump ist der menschliche Molotow-Cocktail, auf den die Mittelschicht gewartet hat, eine Granate, die sie in das System werfen kann. Trumps Wahl wird der größte Stinkefinger, den es in der menschlichen Geschichte gegeben hat, und es wird sich gut anfühlen.“ Als Donald Trump diesen Teil des Films in seine Kampagne einbaute, fühlte Moore, über den prompt ein gewaltiger Shitstorm hinwegfegte, sich missverstanden. Schließlich hatte er am Schluss darauf hingewiesen, dass dem Glücksgefühl der Kater folgen würde. Seine Zustandsbeschreibung hat er nicht rückgängig gemacht.

Matt Damon, der ein aktiver Unterstützer der Obama-Kampagne war, ist vom Noch-Präsidenten der USA desillusioniert. Er hält ihn für komplett von der Wall Street gekauft. Trump sei ein Geschäftsmann. Was Amerika brauche, seien Jobs. Auch kann Damon nichts dabei finden, dass Trump die Sozialleistungen kritisiert, die Einwanderer erhalten, Veteranen dagegen nicht.

Die Native Americans Coalition ist unzufrieden, weil die Bundesgesetze in Amerika verhindern, dass die Reservate wirtschaftlich selbständig werden und ihre eigenen Ressourcen nutzen können. Sie wollen lokal entscheiden können und nicht von einer Bundesbürokratie gegängelt werden. Von Trump erhoffen sich die Native Americans die Freiheit, ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen zu können, die sie bislang vermissen.

Jakob Augstein hat sich zu der Einsicht durchgerungen, dass Donald Trump ein Garant gegen weitere Militäreinsätze ist. Schließlich gehörte er von Anfang an zu den Irakkriegsgegnern und spricht sich deutlich gegen Militärinterventionen aus.

Ganz anders Hillary Clinton, die als Gesellschaftsklempnerin fest an therapeutische Maßnahmen und die Pflicht des Staates, solche durchzusetzen, glaubt. Im Sommer 1999 drängte sie ihren zögernden Präsidentengatten dazu, Clusterbomben auf Serbien zu werfen.

Sie selbst sagte im letzten Sommer in einem Interview: „Ich drängte ihn dazu, zu bombardieren. Man kann das einfach nicht geschehen lassen, am Ende eines Jahrhunderts, das den großen Holocaust unserer Tage erlebt hat. Wozu haben wir denn die NATO, wenn nicht, um unseren Way of Life zu verteidigen?“

Noch nie war eine US-Wahl so spannend, seit dem Duell Jimmy Carter gegen Ronald Reagan. Damals lag Carter in den Umfragen permanent und mit großem Abstand vorn. Nach der Wahl war aber nicht er, sondern Reagan der Präsident.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: US-Wahlen 2016

Mehr von Vera Lengsfeld

Über Vera Lengsfeld

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige