02. November 2016

US-Wahlkampf Trump – der Trumpf der Demokraten?

Die Politikverachtung ist zu groß, um instrumentalisiert zu werden

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Bildquelle: Rich Girard (CC BY-SA 2.0)/flickr Donald Trump und Hillary Clinton: Wirklich Gegner?

Trump – der Trumpf der Demokraten? Diese etwas steil anmutende These vertritt der Libertäre Dominik Ešegović aus Zagreb in seinem kürzlich erschienenen Büchlein „Politik ist nicht die Lösung“, in dem er die „Geschichte der Libertarian Party bis zum Showdown zwischen Trump und Clinton“ beschreibt. Donald Trump, nicht unbedingt ein Libertärer, wird von Ešegović ausführlich besprochen, weil er nach dem Rückzug des bislang erfolgreichsten Libertären Amerikas, Ron Paul, ins Private von vielen Libertären als Hoffnungsträger betrachtet und unterstützt wird. Das ist der Anti-Establishment-Rhetorik eines Mannes zu verdanken, der bis zur Verkündung seiner Präsidentschaftskandidatur selbst ein Aushängeschild des Establishments war.

Das libertäre Urgestein Walter Block hat sogar eine Initiative „Libertäre für Trump“ gegründet, um Stimmung für den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner zu machen. In Trump sieht er einen Garanten gegen die drohende Gefahr eines Atomkriegs, der zu befürchten wäre, wenn die Interventionistin Hillary Clinton Präsidentin würde.

Ešegović führt eine Menge Fakten an, die seine These zu belegen scheinen. Ende Mai 2015 soll Trump einen Telefonanruf von Bill Clinton erhalten haben, der ihm die Präsidentschaftskandidatur nahegelegt haben soll, wie die Bewerberin der Republikaner Carly Fiorina in einer Debatte bekanntgemacht hatte.

Ungewöhnlich wäre so ein Verhalten von Clinton nicht. Er hatte drei Jahre zuvor dem Republikaner Mitt Romney Tipps gegeben, die ihm in der Debatte gegen Barack Obama helfen sollten. Fiorina wies auch darauf hin, dass Trump sowohl für die Clinton-Stiftung als auch für den Senatswahlkampf von Hillary Clinton erhebliche Summen gespendet hatte. Zudem hatte Trump 2008 geäußert, Hillary würde eine „tolle Präsidentin oder Vizepräsidentin“ abgeben. Vier Jahre später sagte er in Vox: „Ich mag sie einfach.“ Sie sei „eine wirklich gute Person und Frau“. Trump muss es wissen, denn er und die Clintons trafen sich häufig privat, zum Beispiel zum Spielen auf Trumps Golfplatz. Donald soll auch auf keiner Clinton-Party gefehlt haben. Zudem sind Ivanka Trump und Chelsea Clinton beste Freundinnen.

Tatsächlich hat Trump zu Beginn seiner Kampagne Clinton nicht nur auffällig geschont, sondern sich regelmäßig gerühmt, mit den ultralinken Demokraten, wie Nancy Pelosi, einer engen Vertrauten von Clinton, gut auszukommen. Politisch ist er bis heute schwer einzuordnen. Sein Programm, sofern erkennbar, ist eher demokratisch. Außerdem scheint er die Republikaner ebenso wenig zu lieben wie Angela Merkel die CDU, der sie ja nie ordentlich beigetreten ist.

Ešegović weist auch darauf hin, dass Trump, würde er wirklich Präsident werden wollen, wohl für einen Superspendentopf gesorgt hätte, wie Clinton. Tatsächlich aber ist sein Wahlkampfbudget zehnmal kleiner als Hillarys. Allerdings thematisiert Trump das selbst. Er weist gern darauf hin, dass er seine Websites für wenige Dollar erstellen lässt, während die von Hillary Millionen kosten.

Ich gebe zu, dass ich auch lange Zeit so dachte wie Ešegović. Wenn das tatsächlich der Deal gewesen sein sollte, Clinton die Präsidentschaft zu sichern, ist die Inszenierung aus dem Ruder gelaufen. Dann wäre Trump jetzt in der Rolle des Zauberlehrlings, der die Geister, denen er zu befehlen glaubte, nun nicht mehr los wird.

Inzwischen gibt es keine Schonung mehr. Hillary ist nicht länger eine „gute Person“, sondern eine Kriminelle. Ob das allein eine verärgerte Reaktion darauf ist, dass Trump vom demokratischen Lager als Irrer eingestuft wurde, der „eine Schraube locker“ hat, oder ob der Kandidat Blut geleckt hat und sich nun selbst gern als Präsidenten sehen will, spielt keine Rolle. Tatsache ist, dass Trump nicht mal eben den Anti-Establishment-Kandidaten spielen konnte, ohne beim Wort genommen zu werden.

Die Politikverachtung, die Unzufriedenheit mit den „Eliten“ ist zu groß, als dass sie sich für Spielchen instrumentalisieren ließe. Die Trump-Anhänger haben einen wahren Tsunami gegen das Politik-Establishment losgetreten. Wie jeder Tsunami lässt auch dieser sich nicht steuern. Lange bevor Trump Clinton als Kriminelle bezeichnete, taten das seine Anhänger. Sie nannten Hillary „Killary“ und brachten immer neue Indizien an die Öffentlichkeit.

Auch Ešegović hat in seinem Büchlein den Skandalen um Sex, Drogen und Morde, in die der Clinton-Clan verwickelt war, ein eigenes Kapitel gewidmet. Wenn nur ein Zehntel davon wahr wäre, ist Hillary Clinton nachhaltig disqualifiziert, nicht nur für den Präsidenten-, sondern für jeden anderen Posten in einem demokratischen Gemeinwesen.

Um nur eines der geringeren Vergehen aufzuführen: Als die Clintons das Weiße Haus verlassen mussten, um ihren Nachfolgern Platz zu machen, sahen die Räume dort aus, als habe „eine Pumuckl-Armee in ihnen gewütet. Kaffee wurde in Aktenschränke geschüttet, Tische wurden umgeschmissen. Teppiche wurden mit Salz bestreut und obszöne Karikaturen“ an Bürowände geschmiert. Außerdem verschwand ein nicht unerheblicher Teil des Mobiliars mit den Clintons. Diese Verwüstungen wurden angerichtet, obwohl die Clintons mit ihren Nachfolgern, den Bushs, bestens befreundet sind. Deshalb wurde dieser Skandal wohl auch vertuscht. Einzig Tipper Gore, die Frau des Vizepräsidenten Al Gore, war es später peinlich und sie entschuldigte sich für den infantilen Vandalismus, mit dem sich die Clintons aus dem Weißen Haus verabschiedet hatten.

Ob Hillary es wieder als Präsidentin betritt, ist unklar.

Dominik Ešegović: Politik ist nicht die Lösung: Die Geschichte der Libertarian Party bis zum Showdown zwischen Trump und Clinton

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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