31. Oktober 2016

Blick in die Zukunft Wenn globale Gouvernanten auf Hegels Hebel Eier legen

Ein besonders krudes Gedankenspiel

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Bildquelle: Miro Vrlik Photography / Shutterstock.com Renommiert: Henry Kissinger

11. November 2017. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, tritt vor die Kameras im East Room des Weißen Hauses, dort, wo regelmäßig Pressekonferenzen abgehalten werden. Er wirkt leicht zerknirscht, das Machogehabe aus dem Wahlkampf, die scheinbar unverwüstliche Selbstsicherheit und das siegesgewisse Lächeln, mit dem der altweiße Nationalist, Populist, Sexist und Russenfreund sonst immer Kritik an seiner Person regelrecht beiseitetrommelte wie sonst nur ein brünftiger Orang-Utan auf seine Brust, sind einem sorgenvollen Blick gewichen.

„Ich hätte nie gedacht“, hebt er an, „dass uns die Russen so in den Rücken fallen. Ich sah Putin immer als Freund und Verbündeten. Es ist schwer, sich einzugestehen, dass man sich getäuscht hat, doch wir wurden getäuscht.“ Drei Tage zuvor hatte ein russischer Hacker mit einem Laptop und einem Satellitentelefon aus einer Eisfischerhütte in Sibirien rechtsextreme Reichsbürger syrischer und iranischer Abstammung, die ihre terroristischen Aktivitäten im Internet über Online-Gaming koordinierten, den schlimmsten Anschlag auf amerikanischem Boden seit der saudi-arabischen Zerstörung des World Trade Center verüben lassen. Als Horrorclowns verkleidet waren sie in die Zentrale der Federal Reserve in New York eingedrungen und ließen das ganze Gold mitgehen. Dabei bedienten sie sich eines simplen Tricks: Sie verpackten die Barren als Schweizer Schokolade, luden sie auf einen Süßwarentransporter und entkamen unerkannt. Ein leitender Ermittler des FBI kam ihnen nur auf die Spur, weil einer der russischen Angreifer seinen Ausweis verlor: Diesem schaute ein Zipfel aus der Hosentasche und verfing sich beim Zufallen der schweren Tresortür im Schließmechanismus, wodurch sie einen kaum merklichen Spalt offen blieb. Als die Beamten sie wieder öffneten, fiel ihnen das Dokument direkt vor die Füße. Außerdem spielten die Wirtschaftsverbrecher, die auch regelmäßig Steuern hinterzogen, einen Trojaner ins Computersystem der Zentralbank, der sich ins Buchungssystem einklinkte und die umlaufende Geldmenge dramatisch reduzierte. Bereits gewährte Kredite wurden willkürlich zurückgezogen, es kam zu einem „Credit-Crunch“; doch besonders betroffen waren die größten Bankhäuser des Landes, die auch international operieren. Ein Augenzeuge von Fox News, der zu dieser Zeit zufällig im Gebäude war, sagte gegenüber CNN, zwei der Terroristen hätten sich auf Chinesisch unterhalten. Zwar habe er das Gespräch nicht wirklich hören können, doch anhand des spezifischen Vibrationsmusters, das die Schallwellen der Konversation in einer Tasse Kaffee erzeugten, die er verängstigt unter dem Tisch in einem angrenzenden Büro genoss, sei mit mehr als 97-prozentiger Wahrscheinlichkeit das Chinesische identifizierbar gewesen. Außerdem ist seine Frau Chinesin, der er über sein Smartphone Fotos der Muster zugeschickt hatte. Daher habe sie seine Aussage bestätigen können, so der Direktor der CIA, Harvey Godrabbit, gegenüber der „New York Times“.

Die Folgen für das weltweite Banken- und Finanzsystem waren verheerend. Millionen Kunden kamen nicht mehr an ihr Geld, der Trojaner sperrte die Bargeldausgabe. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten kam zum Stillstand. Die Schockwellen waren rund um den Globus spürbar. Zur selben Zeit kam es einige Kilometer vor der Küste Syriens zu einem fatalen Zwischenfall: Als ein US-Matrose aus Spaß einen Rettungsring auf den klapprigen russischen Flugzeugträger „Admiral Kusnezov“ warf, um einen russischen Kollegen zu verhöhnen, der ihm vorher blöde Grimassen geschnitten hatte, zerbrach das Schiff und sank. Besonders tragischer Zufall: Der alte, ohnehin nur noch bedingt seetüchtige Träger sollte drei Wochen später sowieso ausgemustert werden. Daraufhin kam es zu einem Feuergefecht zwischen russischen und amerikanischen Kampfjets. Die Situation eskalierte. Seitdem befinden sich beide Seiten im Krieg.

Nur einen Tag nach diesen schicksalhaften Zufällen griff die Mainstream-Presse auf beiden Seiten des Atlantiks Trump scharf an. „Trump‘s Negligence unleashed World War III“, titelte die „Washington Post“ („Trumps Fahrlässigkeit entfesselte den Dritten Weltkrieg“). In Deutschland geriet vor allem Richard Herzinger in der „Welt“ außer sich: „Wie das fatale Appeasement des Nationalisten und Populisten Trump gegenüber dem zweiten Hitler Putin die Welt in den Abgrund riss“.

Auch Trumps Maßnahmen zur „Renationalisierung“ der amerikanischen Wirtschaft, durch die er sie – so sein Wahlkampfslogan – wieder „groß machen“ wollte, scheiterten. Kaum umgesetzt, führten sie zu massiven Einbrüchen in der Wirtschaftsleistung des Landes und rasant steigender Arbeitslosigkeit.

„FAZ“ und „Zeit“ veröffentlichten einen vielbeachtensrenommerkenswerten Gastbeitrag Henry Kissingers, der hier in Auszügen wiedergegeben wird:

„Obwohl sich niemand hätte vorstellen können, dass die schrecklichen Zufallskatastrophen des vergangenen Jahrhunderts noch einmal reüssieren, sind wir nun als Weltgemeinschaft wieder an einem Punkt, an dem sich die Frage stellt, warum die Akteure auf der geopolitischen Bühne trotz aller Maßnahmen, aller Übereinkünfte, Verträge und Abkommen, aller zum Zwecke der Gewährleistung der internationalen Sicherheit und des globalen Friedens installierten Institutionen von Weltbank bis UN und vom IWF bis zur BIZ sowie aller Warnungen kopf- und konzeptlos in diese unerträgliche Situation hineinschlitterten. Wenn ich Warnungen sage, meine ich damit die unermüdlichen Bemühungen unserer Presse, die Wählerschaft der Vereinigten Staaten von der Schädlichkeit eines Donald Trump im Weißen Haus zu überzeugen. Hatten sie etwa nicht monatelang versucht, den Einzug dieses Nationalisten und Populisten zu verhindern? Hatten sie dem Straßenpersonal etwa nicht Woche für Woche vor Augen zu führen versucht, Trump sei, um eine der häufigsten Schlagzeilen zu wiederholen, eine ‚Gefahr für die Weltwirtschaft‘? Hatten sie nicht aufrichtig stets auf seine Unachtsamkeit gegenüber der gefährlichen Großmannssucht, den aggressiven geopolitischen Ambitionen Wladimir Putins hingewiesen? Auch ich habe mich in zahlreichen persönlichen Gesprächen mit dem russischen Staatschef im Kreml unter vier Augen immer wieder um eine Entschärfung der Lage bemüht, wirklich.

Gedankt wurden diese Bemühungen nicht. Wie schon beim Brexit wollte auch hier das Personal mit dem Kopf durch die Wand. Und auch hier wurde vor den vor allem wirtschaftlichen Turbulenzen und Schäden eindringlich gewarnt – vergeblich. Die großartige Chance, ja, die Jahrtausendchance, mit Hillary Clinton zügig eine wahrhaft neue Weltordnung zu schaffen, wurde dadurch – zumindest vorübergehend – zurückgeworfen.

Lassen Sie mich bitte auch einige Worte über die stark zunehmenden antielitären Ressentiments und die wildwuchernden, kruden Theorien über uns Globalisten verlieren: Nie haben wir dem Personal in irgendetwas hineingeredet. Wir ließen ihm die freie Wahl. Es hätte sich für eine demokratische Kandidatin entscheiden können – stattdessen wählte es einen Hardliner, der die nationale Selbstbestimmung vergangener Jahrhunderte der kompetenten, auf langer praktischer politischer und finanzsystemischer Erfahrung basierenden Führung von Bankiers und Intellektuellen vorzog. Und sorgte dadurch für die eine, große Krise, die angesichts ihrer Schwere keinen Zweifel mehr an der Dringlichkeit und Notwendigkeit einer weltweiten Lösung lässt.

In Europa sieht es leider nicht anders aus. Nationalistische und populistische Parteien sind weiter auf dem Vormarsch. Die AfD ist nun an der neu gewählten Bundesregierung Deutschlands beteiligt. Dies lässt Schlimmes erwarten. Sollte also demnächst durch die wirtschaftsnationalistische Politik dieser Europazweifler die deutsche Wirtschaft zufällig einbrechen, könnte dies – aufgrund der Führungsrolle, die Deutschland innerhalb der EU übernahm, auch finanziell – den Rest der EU, vor allem die ohnehin schon seit längerer Zeit gefährlich schwankenden Südländer, mit sich hinabziehen und unseren schönen Euro zerhauen. Ein solcher Augenblick der Schwäche könnte vom Kreml als Angriffssignal gewertet werden, weiß man dort doch sehr genau, dass Deutschland als eine Art Drehscheibe und Nachschublager für die derzeit tobenden Kriegshandlungen im Nahen und Mittleren Osten fungiert.

Auch davor haben wir immer wieder über unsere Presse ehrlich und eindringlich gewarnt: Wählt nicht die rechten Nationalisten und Populisten! Nun ist es für eine friedvolle, sozial und ökonomisch verträgliche Umkehr zu spät. Doch keine Sorge, es gibt bereits eine Lösung. Denn wenn der wiederaufflammende Nationalismus und Populismus des frühen 21. Jahrhunderts doch eines gezeigt hat, dann dies: Wir brauchen mehr Global Governance.“


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