20. Oktober 2016

„Gerüchte“ über Wahlmanipulationen Kann man Niveau im Wochenrhythmus senken?

Schluss mit den Qualitätsdummheiten. Stoppt die Anti-Aufklärung jetzt!

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Bildquelle: Joe Seer / Shutterstock.com Donald Trump: Prollt er Hillary zur Präsidentschaft?

Können Wahlen manipuliert werden? Sie möchten jetzt sicher gegenfragen: Warum stellt der Autor dieses Artikels eine so atemberaubend intelligente Frage? Hält er die Leser für schwerbeschädigt? Will er sie nur vergackeiern oder eine Schlägerei provozieren?

Nein, daran habe ich kein Interesse, keine Sorge. Und selbstverständlich würde ich es auch niemandem übelnehmen, wirklich niemandem, der angesichts solcher Fragen die Faust in der Tasche ballt. Oder mit offenem Mund dasitzt und sich fragt: Kann man die Geschichte der Massenpolitik moderner Massengesellschaften mit all ihren Schlammschlachten, massenhaften Lügen, Massen-Psychotricks, ihrer vermassungsmedialen Meinungskybernetik, ihren machtpolitischen Intrigen und Ränkespielen wirklich vollständig ignorieren, ohne vor die Wand gelaufen zu sein? Ist das hier ein Kindergarten? Was soll denn der Mumpitz?

„Donald Trump deutet auch im letzten TV-Duell Wahlmanipulationen an“, hieß es im Einleitungstext eines Artikelimitats der „FAZ“ vom 20. Oktober. „Solche Gerüchte sind nicht neu in der amerikanischen Geschichte. Doch was ist dran an Trumps aktuellen Vorwürfen?“

Solche „Gerüchte“ über die simple Tatsache allenthalben stattfindender Manipulationen sind also nicht neu, findet man in Frankfurt. In der Tat. Nur sind es eben keine Gerüchte; es handelt sich um eine ganz „stinknormale“ politrickbetrügerische Praxis, auch in den USA, und das seit schon seit Jahrzehnten. Man braucht zum Beispiel nur an das Gerücht zurückzudenken, Woodrow Wilson sei tatsächlich ganz natürlich-demokratisch ins Weiße Haus gelangt, was unter Vorlage sehr detaillierten Beweismaterials bereits eindrucksvoll widerlegt wurde. Es handelte sich um eine (indirekt, also nicht durch direkte Eingriffe in den Wahlvorgang, sondern mit Hilfe massenmedialer Propaganda) manipulierte Wahl, um den Wunschkandidaten der Wall Street, Wilson, in den Präsidentenstrampler zu stecken. Grund: Wilson hatte sich vor seinen Dompteuren bereits tief genug gebückt, um seine Zweckdienlichkeit zu demonstrieren – vor allem mit Blick auf einen gewissen Gesetzesvorschlag zur Installation einer gewissen Zentralbank. Doch genug von solchen allerbestens belegten „Gerüchten“.

Man sollte eine Diskussion über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Wahlmanipulation auch gar nicht an Trump festmachen, dessen Aufgabe es ist – davon bin ich nach wie vor überzeugt und werde es auch immer bleiben –, Hillary Clinton quasi ins Weiße Haus zu prollen. Noch nie hat ein Präsidentschaftskandidat sich so augenfällig und – aus meiner Sicht – offensichtlichen Weise danebenbenommen, gerade so, als ginge es darum, Clinton neben ihm zumindest etwas „besser“ aussehen zu lassen. Er lieferte und liefert den Massenlobotomedien regelmäßig genug Stoff, inklusive pubertärer Sexkapaden und anderer Albernheiten, um von Clintons schwerkrimineller Vergangenheit und den diesbezüglichen Enthüllungen abzulenken. Wenn man über „Sexismus“ Twittergewitter niedergehen lassen und Erschlagzeilen damit füllen kann – wer redet dann noch zum Beispiel über die etwas merkwürdigen Tode mehrerer Zeugen, die gegen Clinton aussagen wollten? Tatsache ist: Der politische Weg der Clintons ist mit so mancher Leiche gepflastert. Sollte man nicht lieber darüber berichten? Mainstreammüßige Frage. Mithin ist es an diesem Punkt der Zeitgeschichte schon völlig egal, wer von den beiden Maulhelden nun das Oval Office weiter zu verschandeln Gelegenheit bekommt, ob nun der blonde Endlichsagtsmaleiner-Kasper zur Blitzableitung der Unzufriedenheit eines Großteils amerikanischer Bürger mit dem hochkorrupten Schlangennest in Washington oder Bills holde Gattin, die ihre Agenda ja schon öffentlich verkündete: Mittelstand höher besteuern (also weiter zerstören), Amerikas Wirtschaft weiter ruinieren, weitere Kriege anzetteln. Kurz und schlecht, der US-Wahlkampf ist schon seit langer Zeit nur noch eine einzige Farce. Zugegeben, so niveaulos wie derzeit zwischen „Hitlary“, wie der weltbekannte Trendforscher Gerald Celente die Kriegsverbrecherin Clinton auch gerne nennt, und Donald „Grab 'em by the Pussy!“ Trump ging es im US-Wahlschlammcatchen tatsächlich nur selten zu. Dies stellt jedoch keine Besonderheit dar, sondern eigentlich nur die letzte systemische Konsequenz, das Geruchsmaximum eines jahrzehntelangen Fäulnisprozesses.

Nein, man kann dabei auch ganz „theoretisch“ bleiben, indem man sich, statt die obsolete Frage zu diskutieren, welcher Kandidat für das „höchste“ Amt im Gewaltmonopol „besser“ geeignet sei, mit den Wirkmechanismen moderner massenpsychologischer Meinungssteuerung befasst. Kurz, es lohnt sich gewiss mehr, die Funktionsprinzipien zu verstehen, als sich an Vortänzern abzuarbeiten.

Ich hatte zu diesem Zweck schon öfter ein Zitat Coudenhove-Kalergis angeführt, der, was man von seinen politischen Ansichten ansonsten auch immer halten mag, eine sehr akkurate Beschreibung lieferte: „Die Verfassungsform, die Feudalismus und Absolutismus ablöste, war demokratisch; die Herrschaftsform plutokratisch. Heute ist Demokratie Fassade der Plutokratie: Weil die Völker nackte Plutokratie nicht dulden würden, wird ihnen die nominelle Macht überlassen, während die faktische Macht in den Händen der Plutokraten ruht.“ („Praktischer Idealismus“, Paneuropa-Verlag, 1925, Seite 39.) Und in den Vereinigten Staaten bereits seit mehr als einem Jahrhundert. Zu diesem Schluss kam übrigens auch eine wissenschaftliche Arbeit der Universität Princeton: Die USA, heißt es darin, seien gar keine Demokratie mehr, sondern längst eine Oligarchie. Nennen Sie es, wie Sie wollen: Oligarchie, Plutokratie – die Grenzen zwischen beiden Formen sind ohnehin fließend.

Man könnte auch auf Edward Bernays zurückgreifen, der als Erfinder der modernen Propaganda gilt. Er war unter anderem Mitglied des U.S. Committee on Public Information (US-Komitee für öffentliche Information, CPI), dessen Aufgabe es war, den Bürgern Amerikas den Ersten Weltkrieg schmackhaft zu machen. In seinem Buch „Propaganda“ (1928) schrieb er: „Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in einer demokratischen Gesellschaft. Diejenigen, die diese unsichtbaren Mechanismen der Gesellschaft beeinflussen, bilden eine unsichtbare Regierung, die die wahre Regierungsmacht unseres Landes darstellt. Wir werden beherrscht, unsere Denkweisen werden geschmiedet, unsere Geschmäcker geformt und unsere Ideen werden uns größtenteils suggeriert von Menschen, von denen wir noch nie gehört haben. Dies ist die logische Folge der Art und Weise, wie unsere demokratische Gesellschaft aufgebaut ist. Große Mengen an Menschen müssen in dieser Weise kooperieren, wollen sie in einer reibungslos funktionierenden Gesellschaft leben. Unsere unsichtbaren Führer sind sich in vielen Fällen der Identität ihrer Kollegen im inneren Kabinett nicht bewusst. Sie steuern uns durch ihre natürlichen Führungsqualitäten, ihre Fähigkeit, notwendige Ideen zu liefern, sowie durch ihre Schlüsselposition in der Sozialstruktur. Welche Meinung zu diesem Umstand man auch immer haben will, so bleibt es eine Tatsache, dass wir in fast jeder Handlung unseres täglichen Lebens – sei es in der Sphäre von Politik und Geschäft, in unserem Sozialverhalten oder ethischen Denken, von einer vergleichsweise kleinen Zahl von Personen dominiert werden – einer winzigen Gruppe innerhalb unserer Bevölkerung von circa 120 Millionen –, die die geistigen Prozesse und sozialen Muster der Massen verstehen. Sie sind es, die die Fäden zur Kontrolle der öffentlichen Meinung ziehen, die sich alte soziale Kräfte nutzbar machen und neue Wege erdenken, die Welt zu binden und zu führen.“ (S. 9-10, meine Übersetzung.)

Doch genug von Edward Bernays, diesem rechtspopulistischen Verschwörungstheoretiker aus der Hitlermitte der Gesellschaft, der von „unsichtbaren Regierungen“ fabulierte, die „die Fäden zur Kontrolle der öffentlichen Meinung ziehen“, diesem Troll der gelenkten russischen Staatsmedien, die der völlig freie Westen jetzt endlich mal stoppen muss. Ich möchte diesen Artikel beschließen mit einem Zitat aus dem Buch „Morals and Dogma“ aus der Feder des weltbekannten Hochgrad-Freimaurers Albert Pike. Vor allem mit Blick auf die willfährige Kriegstreiberei unserer werten Qualitätshumanisten, Demokratiebringer und Weltgenesungsfanatiker sowie ihr an stockbesoffene Hooligangs erinnerndes Fankurvengetröte für ihre heißgeliebte „demokratische“ Wunschkandidatin, auf deren Konto unter anderem die Zerstörung Libyens geht – mit allen bekannten Folgen. Die zahlreichen Kontroversen um die Figur Pikes sind mir wohlbewusst; ich lasse das Zitat hier unkommentiert stehen, damit aus diesem Artikel kein halbes Buch wird.

„Es gibt gewaltige Kräfte in den großen Kavernen des Bösen unter der Gesellschaft; in den abscheulichen Niederungen, in der Verderbtheit, der Niedertracht und Armut, dem Laster und den Verbrechen, die stinken und sieden in der Dunkelheit dieser Bevölkerung unter dem Volk, in großen Städten. Diese Bevölkerung hat zwei Mütter, beide Stiefmütter – Ignoranz und Elend. Das Wollen ist ihr einziger Führer – für den Appetit allein schmachten sie nach Befriedigung. Aber selbst sie lassen sich gebrauchen. Der niedere Sand, auf dem wir trampeln, kann, einmal in den Ofen geworfen, geschmolzen und gereinigt durch Feuer, ein schimmernder Kristall werden. Sie verfügen über die brutale Kraft des Hammers, aber ihre Schläge werden der großen Sache nützlich sein, wenn sie in den Linien ausgeführt werden, die von den Regeln der Weisheit und Diskretion gezogen wurden.

Doch ist es gerade diese Kraft der Leute, diese titanische Macht von Giganten, die die Befestigungen von Tyrannen errichtet und sich in ihren Armeen verleiblicht. Daher auch die Möglichkeit solcher Tyranneien wie derjenigen, von denen gesagt wurde, dass ‚Rom unter Vitellius schlimmer stinkt als unter Sulla. Unter Claudius und unter Domitian gibt es eine Fehlbildung an Niedertracht, die zur Hässlichkeit der Tyrannei korrespondiert. Die Verderbtheit der Sklaven ist direktes Resultat der scheußlichen Geringwertigkeit des Despoten. Ein Gifthauch entströmt diesem geduckten Bewusstsein, das den Herrscher widerspiegelt; die öffentlichen Autoritäten sind unrein, Herzen kollabiert, das Bewusstsein geschrumpft, die Seelen verkümmert. Das ist so unter Caracalla, es ist so unter Commodus, es ist so unter Heliogabalus, während vom römischen Senat unter Cäsar nur der üble Gestank kommt, der dem Adlernest eigentümlich ist.‘

Es ist die Kraft der Leute, die all diese Despotien aufrecht erhält, die niederträchtigsten wie die besten. Passiver Gehorsam durch Macht stützt Throne und Oligarchien, spanische Könige und venezianische Senate. Macht, verkörpert durch eine von Tyrannei befehligte Armee, ist die enorme Gesamtsumme äußerster Schwäche; und so führt die Menschheit Krieg gegen die Menschheit, der Menschheit zum Trotz. So unterwirft sich ein Volk bereitwillig dem Despotismus, und seine Arbeiter lassen es über sich ergehen, verachtet, und seine Soldaten, ausgepeitscht zu werden; deshalb ist es so, dass Schlachten, die von einer Nation verloren werden, oftmals erlangtem Fortschritt entsprechen. Weniger Ruhm bedeutet mehr Freiheit. Wenn die Trommel schweigt, spricht manchmal die Vernunft.“ (Albert Pike, „Morals and Dogma“, aus der im Jahre 1871 in die US-Kongressbibliothek eingetragenen Ausgabe, S. 2-3.)


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