14. Oktober 2016

RezensionMenno Aden: Das Werden des Imperium Americanum

Und seine zwei hundertjährigen Kriege

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Auch ein gelernter Jurist ist offensichtlich imstande, ein gutes Geschichtsbuch zu schreiben. Im ersten Teil werden die Ausgangslage vor der Abspaltung der 13 Kolonien vom britischen Mutterland und die Entstehung von Imperien beschrieben. Es folgen neun Kapitel, in denen der Weg der USA von der Unabhängigkeitserklärung bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg chronologisch dargestellt wird. Das letzte Kapitel ist den Zukunftsaussichten des US-Imperiums gewidmet. Nach zwei verlorenen Weltkriegen im Sinne der Sieger umerzogene deutsche Historiker werden das Werk als „politisch unkorrekt“ oder gar „revanchistisch“ einschätzen. Dessen zentrale These lautet, dass die USA nach Deklaration der „Monroe-Doktrin“ anno 1823 ihren ersten hundertjährigen Krieg als eine Art „Konsolidierungskrieg“ führten, der 1918 mit dem Sieg über die europäischen Mittelmächte endete. Der sich unmittelbar anschließende, bis in unsere Tage währende zweite hundertjährige Krieg diente dem Aufbau eines weltbeherrschenden Imperiums, was nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 faktisch auch erreicht wurde. Die Anwendung moralischer Doppelstandards bei der Bewertung eigener Aktivitäten und der Bewertung von Taten anderer Nationen sind für die USA (und deren Mutterland) typisch. Was auch immer auf dem Weg zur Errichtung und Absicherung ihrer Einflusssphäre getan wurde, es war gut. Wer und was dabei auch immer im Weg stand, war die Inkarnation des Bösen – besonders die Deutschen. Die Doktrin der „Manifest Destiny“, die die USA zur in göttlichem Auftrag – und daher stets rechtmäßig – handelnden Nation erklärt, immunisiert zuverlässig gegen jede Kritik von innen wie von außen. Jede an in- und ausländischen Völkern begangene Untat reduziert sich dadurch auf eine unumgänglich notwendige Maßnahme in Verfolgung der heiligen Bestimmung, das neue Jerusalem zu errichten.


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