14. Oktober 2016

RezensionMatthias Weik/Marc Friedrich: Kapitalfehler

Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen

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Nicht nur ausgewiesene Filmfreunde kennen das Damoklesschwert, das über den Sequels einer zum Blockbuster avancierten Produktion schwebt. Dem frischen und innovativen, den Zeitgeist treffenden Ansatz des Originals folgt in der Regel bestenfalls ein solider zweiter und mäßiger dritter Teil. Dass dieses Phänomen indes auch vor Sachbüchern nicht haltmacht, beweisen die beiden Autoren mit dem vorliegendem Werk. Mit „Der größte Raubzug der Geschichte“ konnten sie ihre fulminanten Qualitäten als Chronisten einer Ära, deren minutiöse Protokollierung „für kommende Generationen zu konservieren“ (ef 139) lohnt, unter Beweis stellen. Diese wurden durch den 2014 publizierten Nachfolger „Der Crash ist die Lösung“ zumindest nicht in Frage gestellt. Bedauerlicherweise haben sie sich in ihrer dritten gemeinsamen Arbeit die „Argumente von Kritikern zu Herzen“ genommen, die ihnen „einen Hang zu tagesaktueller Faktensammelwut und oberflächlicher Krisendiagnose, im Gegenzug einen Mangel an vertiefender Krisenanalyse vorgeworfen haben“ und somit gerade ihre größte Stärke aus der Hand gegeben. In insgesamt sieben Kapiteln (und einem Intermezzo) arbeiten sie sich an so unterschiedlichen Themen wie beispielsweise dem Bankensektor und Finanzsystem, der Konjunkturforschung und Wirtschaftsgeschichte sowie der Bedeutung von Rohstoffen und der Geldtheorie ab. Trotz zahlreicher interessanter Fakten und Einsichten mangelt es an einem roten Faden und bisweilen ausgerechnet an der beschworenen Tiefe sowie Klarheit. So werden Begriffe unscharf und teils widersprüchlich verwendet. Spätestens bei ihren Kernelementen neuen Wirtschaftsdenkens erweisen sich die Autoren als abgespeckte Dritte-Weg-Apologeten, eine Mischung aus Wilhelm Röpke und Naomi Klein. Wer einen Weik und Friedrich lesen möchte, der sollte lieber zum nach wie vor uneingeschränkt empfehlenswerten Erstling greifen.


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