13. Oktober 2016

RezensionMaximilian Reicke: Industrie 4.0

oder Irgendwas ist ja immer...

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Maximilian Reicke hat in seinem schmalen Büchlein eine Hommage an diejenigen geschrieben, die dieses Land am Laufen halten. Die Facharbeiter, Gesellen, Azubis, Techniker, Konstrukteure, Einkäufer und Sekretärinnen, die Tag für Tag die handwerkliche Grundlage für unseren Wohlstand und den Industriestandort Deutschland schaffen. Sehr lebensnah und ohne viel literarisches Getöse schreibt der Autor über den alltäglichen Wahnsinn in den bundesdeutschen Betrieben. Seine kurze Erzählung über seinen beruflichen Werdegang wirft ein Schlaglicht auf unsere Arbeitskultur, den Mangel an sozialen Kompetenzen in Betrieben und das Outsourcen unangenehmer Arbeit ins Ausland. Jeder Metaller wird sich hier wiederfinden können. Menschen, die wissen wollen, was in den großen Hallen mit den nichtssagenden Namen darauf passiert, kommen auch auf ihre Kosten. Das Buch ist keine feinsinnige Analyse, keine Abrechnung oder großes Manifest. Es stellt einfach die Sachlage dar und zeigt den Weg eines Mannes vom Schlosserlehrling ins mittlere Management. Hoffentlich folgen viele dem Beispiel des Autors und gewähren uns ebenfalls Einblicke in eine Welt, die nach außen sonst vom DGB vertreten wird. Die Marke Made in Germany wird von Schraubern und Tüftlern wie Maximilian Reicke geprägt und getragen. Umso wichtiger ist es, dafür zu sorgen, nicht den falschen Menschen die Vermittlerrolle zu überlassen. Dieses Buch ist ein Versuch, die Entwicklung unserer Arbeitswelt vom Wirtschaftswunder bis heute zu erzählen. Es gewährt Einblicke in eine Welt, die für viele von uns inzwischen fremd geworden ist. Die im Buch beschriebene Industrie 4.0 ist übrigens bezeichnenderweise in Polen zu finden. Herzblut, Freude an der Arbeit und Innovationsdrang sind die Zugpferde der deutschen Industrie. Wollen wir hoffen, dass spätere Generationen in diesem Buch keinen antiquierten Zeitzeugenbericht sehen.


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