12. Oktober 2016

RezensionT. C. Boyle: Hart auf hart

Roman

Artikelbild

T.C. Boyle nimmt sich diesmal der Ausgestoßenen, des sozialen Bodensatzes der amerikanischen Gesellschaft an. Sten Stensen, ein pensionierter Schuldirektor und Vietnamveteran, Adam alias Colter, Stens verhaltensorigineller sowie permanent zugedröhnter Sohn, der gewillt ist, das Leben eines die Zivilisation hinter sich lassenden, Schlafmohn anbauenden Waldläufers zu führen, sowie Sara, Adams Geliebte mit einer Vorliebe für „Verschwörungstheorien“, die sich weigert, die staatlichen Autoritäten anzuerkennen – dies sind die drei Charaktere, aus deren Perspektive die Geschehnisse des auf einer wahren Begebenheit basierenden Buches erzählt werden. Auf der Rückseite des Covers heißt es: „Mit bösem Witz und tragischem Ernst erkundet T.C. Boyle die dunkle Seite des amerikanischen Traums.“ „Hart auf Hart“ sei ferner ein Roman „über die Illusion einer Freiheit außerhalb der Grenzen einer Gesellschaft.“ Doch keine Bange: Dem puristisch-liberalen beziehungsweise libertären Leser, der nach einer Maximierung der individuellen Freiheit trachtet, bleibt es erspart, sich auf eine grundlegende Erschütterung seines Weltbildes gefasst machen zu müssen. Schließlich sind freiwilliger Austausch, gesellschaftliche Kooperation und Arbeitsteilung für ihn keinesfalls abzulehnende, sondern vielmehr wünschenswerte, der sozialen Veranlagung des Menschen gerecht werdende und ökonomische Prosperität ermöglichende Phänomene, die für den Fortbestand der Menschheit schlicht unerlässlich sind. Adam jedenfalls, der das Eigentum seiner Mitmenschen mit Füßen tritt, muss zu seiner eigenen Enttäuschung feststellen, dass es gerade die auf friedlicher Zusammenarbeit beruhenden Annehmlichkeiten der zivilisierten Welt sind, die ihn immer wieder dazu veranlassen, aus der Wildnis in die von ihm verachtete gesellschaftliche Realität zurückzukehren. Wie die Geschichte rund um Sten, Colter und Sara ausgeht? Nicht sonderlich überraschend...


„T. C. Boyle: Hart auf hart“ bei amazon.de kaufen


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

Dossier: Literatur

Mehr von Simon Eßer

Über Simon Eßer

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige