28. September 2016

Explosion vor der Fatih-Moschee Rechtsextremistischer Anschlag mit linkem Bekennerschreiben?

Fragwürdiges Foto auf der Facebook-Seite der Moschee

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Bildquelle: shutterstock Auszeichnung für Minister: Goldener Haufen

Seit Montag stehen die Sachsen wieder einmal unter Generalverdacht. Zwei Anschläge mit laut Polizeimitteilung „selbstgebastelten Sprengsätzen“ vor der Fatih-Moschee und vor dem International Congress Center ließen die medialen und politischen Erregungswellen hoch schlagen. Obwohl es keinerlei Hinweis auf die Täter und anfangs auch kein Bekennerschreiben gab, war man sich einig, dass es sich nur um einen rechtsradikalen oder fremdenfeindlichen Anschlag handeln konnte.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Sprengstoffanschläge von Dresden scharf verurteilt. Es sei „umso empörender“, da der Angriff auf eine Moschee einen Tag vor dem Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Islamkonferenz verübt worden sei. Warum man die gescheiterte Islamkonferenz mit einem Festakt feiern musste, blieb offen.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sagte: „Eine solche Tat ist kein Protest und auch keine Meinungsäußerung. Eine solche Tat ist ein Verbrechen.“ Volker Beck von den Grünen war sich sicher, dass, wo Moscheen brennen, auch Menschen brennen werden.

Das Übliche eben. Aus früheren Fehlern will man nichts lernen. Erinnerte sich keiner der Genannten oder die anderen Betroffenheitsäußerer zum Beispiel an den Handgranatenanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Villingen-Schwenningen? Sehr bald stellte sich heraus, dass die Granate nicht den Bewohnern galt, sondern dem Wachpersonal.

Von den etwa 800 Bränden in Flüchtlingsunterkünften, die wider besseres Wissen von Politikern und Medien den Rechtsextremisten zugeordnet werden, sind weit über die Hälfte von Bewohnern selbst verursacht worden, aus Unkenntnis der elektrischen Geräte, aus Fahrlässigkeit, manchmal auch mit Absicht. Immer heißt es dann, man dürfe die Verfehlungen einzelner Einwanderer nicht auf alle Migranten beziehen.

Nur bei den Sachsen darf man das. Es geht so weit, dass der Moderator des Deutschlandfunks ein Interview mit der ehemaligen sächsischen Spitzenpolitikerin der Grünen mit der unverschämten Frage eröffnete: „Frau Hermenau, fühlen Sie sich noch wohl in Sachsen?“

Nun ist peinlicherweise ein inzwischen wieder gelöschtes linksextremes Bekennerschreiben zu den Anschlägen auf der Hassplattform „linksunten.indymedia“ aufgetaucht.

Wie wenig das den Politikern in den Kram zu passen scheint, davon zeugen Äußerungen von CDU-Innenminister Ulbig. Die Ermittlungen liefen derzeit in alle Richtungen, verkündet er nun. Wenn jemand gegen eine Moschee vorgehe, könne man eine rechtsextremistische oder zumindest ausländerfeindliche Tat nicht ausschließen.

Das klingt so, als wolle man eine ausländerfeindliche Tat nicht ausschließen, was die Frage aufwirft, warum unbedingt, trotz linken Bekennerschreibens, daran festgehalten werden soll.

In diesem Zusammenhang muss man auch die Frage stellen, warum die Polizei ein Foto völlig außer acht zu lassen scheint, das die Fatih-Moschee gestern auf ihre Facebook-Seite gestellt hat, mit dem Hinweis, das seien Fotos vom Anschlag. Ein Foto zeigt angeblich die Explosion. Müsste man nicht sofort ermitteln, wer dieses Foto gemacht und zur Verfügung gestellt hat? Wer kann denn Fotos vom Augenblick der Explosion machen? Eher unwahrscheinlich, dass es ein zufällig vorbeikommender Nachbar gewesen ist.

Zurück zu „linksunten.indymedia“. Noch nicht gelöscht sind ein Mobilisierungsvideo und der „Aufruf zu Aktionen gegen die Einheitsfeierlichkeiten“. Im rüden Jargon der Antifa heißt es: „Dresden mit Scheiße markieren, Sachsen diskreditieren, Deutschland demaskieren. Die Einheitsfeierlichkeiten zum Desaster machen…“ Es folgen sieben Vorschläge, was getan werden könnte. Unter Punkt eins heißt es: „Organisiere dir einen goldenen Scheißhaufen, um ihn im Laufe des Tages einer Person oder Institution zu übergeben, die ihn aus deiner Sicht verdient hat. Tipp: Im Zelt der Bundesregierung sollen auch ein paar Minister_innen auflaufen.“

Das ist keine Satire, sondern ernst gemeint, auch wenn es unter Punkt vier heißt: „Durchsetzung des Morgenthau-Plans oder den #Säxit (den Ausschluss Sachsens aus der BRD)…“ Dass die Durchsetzung des Morgenthau-Plans bedeuten würde, dass die polnische Ostseeküste wieder deutsch wird, haben die Scheiße-Werfer in ihrem Furor glatt übersehen.

Nicht länger übersehen werden darf, welche Gefahr der Linksextremismus für unser Land darstellt, besonders deshalb, weil Politikern und Journalisten mit stramm nach rechts gedrehten Köpfen die linke Gefahr aus dem Blick geraten ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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