20. September 2016

Kampagne der AfD Der Preis ist scheiß

Medienhetze ist Gold für die Partei

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Bildquelle: shutterstock Verlieren zunehmend an Glaubwürdigkeit: Journalisten

Soso, die AfD hat einen Preis ausgelobt. Den sollen Medien kriegen, die sich besonders schofel aufführen. Schofel gegenüber der AfD, versteht sich. Der Titel ist eine Referenz an „Sudel-Ede“, ein Urgestein der real existent gewesenen Lügenpresse. Karl-Eduard von Schnitzler war Chefkommentator des DDR-Fernsehens und wurde berühmt durch seine Sendung „Der schwarze Kanal“, wo gelegentlich noch dreister gelogen wurde als in Claus Klebers heute-journal.

„Karl-Eduard-von-Schnitzler-Preis“ also. Pfiffig, nicht? Nee, bloß piefig. Negativ-Preise sind was für Leute mit Ärmelschonerträgerhumor. Dauerbeleidigte Emanzen verleihen sie für „frauenfeindliche Fernsehbeiträge“ („Saure Gurke“), frustrierte Journos für „Auskunftsverweigerer in Politik und Wirtschaft“ („Verschlossene Auster“). Selbstredend nimmt niemand Negativ-Preise entgegen, und es interessiert sich so gut wie kein Schwein dafür. Wer alt und abgekaut aussehen möchte, der vergibt einen Negativ-Preis. Die Nummer hat ein Gerüchle.

Mal abgesehen vom Image, ist der Lügenpresse-Award auch ansonsten kontraproduktiv. Jeder Versuch, von der Presse mehr Fairness einzufordern, kann der Partei nur schaden. Offenbar hat man in deren Führungsriegen bis heute gar nicht begriffen, woher der fulminante Auftrieb kommt. Nämlich zu einem hübschen Teil vom hysterischen Dauerfeuer, mit dem große Teile der Medien die Partei eindecken. Die wie konzertiert wirkende Kampagne des Mainstreamjournalismus ist das Schönste, was der AfD passieren konnte. Jede abermillionste Ereiferung über das schändliche Treiben der „Rechtspopulisten“ und ihre „rassistischen Umtriebe“ führt der Partei zuverlässig Wähler zu. Was sonst sollte die motivieren? Die mürrische Visage von Gauland oder das schnippische Mündchenspiel von Petry sicher nicht.

Den endgültigen Hau erhielt die Wahrheitspresse nach der Kölner Domplatte

Schwer einzuschätzen, wie viele es wirklich sind, die sich von den Alt-Medien nachhaltig verabschiedet haben. Nach neuen Umfragen ist der Anteil derer, die der Presse misstrauen, innerhalb der letzten beiden Jahre von 45 auf 49 Prozent gestiegen. Erstaunlicherweise ist der Argwohn in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen am größten. Wenn das belastbare Fakten sind, dann besitzt die AfD eine Bank. Sie muss nur sicherstellen, dass der stalinorgelhafte Beschuss der Medien anhält. Notfalls muss sie selber Munition ranschaffen.

Das Misstrauen gegen die veröffentlichte Meinung zieht sich entlang einer veritablen Querfront, von ganz links bis stramm rechts. Es ist definitiv nicht allein das Ergebnis der Migrantenkrise. Schon die naive Begeisterung deutscher Medienschaffender über den „Arabischen Frühling“ Ende 2010 – nur wenige Journalisten hatten damals die verheerenden Folgen von Anarchie und Destabilisierung in einer Fanatikerregion vorausgesagt – kam bei vielen Lesern und Zuschauern nicht so gut an. Die Darstellung der Ereignisse auf dem Maidan im September 2013 und beim Ukraine-Konflikt ein halbes Jahr später empfanden ebenfalls Tausende von Zuschauern – besonders die von ARD und ZDF – als grob tendenziös. Den endgültigen Hau erhielt die Wahrheitspresse nach der Silvesterparty auf der Kölner Domplatte.

Mittlerweile kauft ein wachsender Teil der Bevölkerung den Medien allenfalls noch Datum, Wettervorhersage und Lottozahlen ab. Was die Meinungsheroen plattschreiben möchten, geht für ihre Verächter sehr in Ordnung. Jede neue Welle der Anti-AfD-Kampagne ist folgerichtig Gold für die Partei. Erkannt hat das der Schriftsteller und Journalist Michael Klonovsky, als langjähriger „Focus“-Redakteur mit Medien und Politik vertraut und überhaupt viel heller als die meisten AfD-Gestalten.

Klonovsky fungiert gegenwärtig als eine Art Spin-Doc von Frauke Petry. Manchmal fühlt er sich unterbeschäftigt. Als er jüngst mal wieder eine Philippika gegen die AfD auf „Spiegel online“ las (O-Ton: „Ich glaube, man muss auch einmal klar benennen, dass die Wähler der AfD tatsächlich Rassisten sind“) notierte er in seinem Online-Tagebuch „acta diurna“: „Ich meinerseits werde mich jetzt mit einem Glas Riesling in die Sonne setzen. Meinen Job erledigen solche Zeloten beziehungsweise Vollpfosten ja besser, als ich es selber je könnte.“

Kampagnen, egal welcher Ausrichtung, gehen meistens in die Hose

PS: Kampagnen, egal welcher Ausrichtung, gehen meistens in die Hose. Seit ich mich für Kino interessiere (schon ziemlich lange), habe ich niemals einen Hype erlebt, der der Euphorie über den Film „Toni Erdmann“ auch nur nahekam. Wochenlang war da kein Blatt, kein Sender, kein Webportal, wo die Komödie der sympathischen jungen Regisseurin Maren Ade nicht aufs Hymnischste besungen wurde. Dass der Film in Cannes leer ausgegangen war, erschien als skandalöseste Fehlentscheidung seit dem Wembley-Tor; dass er nunmehr für Deutschland ins nächste Oscar-Rennen gehen darf, als Wiedergutmachung schreienden Unrechts.

Ich habe mir den 162-Minuten-Streifen nicht angeschaut, weil mich Väter-Töchter-Konflikte nicht interessieren. Interessant fand ich aber, was die beispiellose Jubelarie dem Film gebracht hat – offenbar nicht gerade viel. „Toni Erdmann“ ist Mitte Juli in deutschen Kinos gestartet und hat bis jetzt ungefähr eine halbe Million Besucher angelockt. Viel mehr werden es wohl nicht. Zur Einordnung: Deutsche Komödien mit einem Quentchen Tiefgang wie „Good Bye, Lenin!“ (2003) oder „Honig im Kopf“ (2014) kommen gewöhnlich auf gut sechs Millionen Zuschauer. Wobei es sich bei „Honig im Kopf“ auch noch um einen Film von Til Schweiger handelte, der mit der Presse meistenteils eine intensive Fehde pflegt und eher negative Kritiken erntet.

Fazit: Ganz egal, ob Medien etwas in der Luft zerreißen oder in den Olymp heben – das Ergebnis sieht oft ganz anders aus als angestrebt. Erfreulich, dass es so viele Selbstentscheider („mündige Bürger“) gibt. Wahrscheinlich, dass es noch ein paar mehr werden. Dafür dürften schon die Medien sorgen. Und Klonovsky kann sich schon mal um den Rieslingvorrat kümmern.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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