14. September 2016

RezensionMarcel Fratzscher: Verteilungskampf

Warum Deutschland immer ungleicher wird

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Der Autor ist ein Mainstreamökonom. Für ihn ist „Verteilungsgerechtigkeit“ das wichtigste Anliegen. Nicht zufällig zitiert er mehrfach Thomas Piketty, einen Kollegen und Kostgänger der französischen Sozialisten. Fratzscher zäumt das Pferd nicht, wie schlichte Naturen in den Reihen roter Klassenkämpfer, von der Steuerseite her auf. Zumindest versteht er es, seine Phantasien hinter Phrasen wie „der Faktor Arbeit wird in Deutschland zu hoch besteuert“ zu verstecken. Sein Ziel ist die Beseitigung der von ihm kritisierten mangelnden Chancengleichheit im Lande, die er auf einen ungleichen Zugang zur Bildung zurückführt. Die „soziale Durchlässigkeit“ der Gesellschaft sei daher nicht gegeben. Fratzscher lässt keinen Zweifel daran, dass ausschließlich universitäre Bildung zum Heil führen kann. Nicht nur Unternehmer- und Beamtenkinder, auch Arbeitersprösslinge sollten vermehrt Soziologie oder Theaterwissenschaften studieren. Das bringe Zuwachs fürs BIP. Handwerker und nicht akademisch gebildete Mittelständler: minderwertige Randfiguren. Zwar stellt Fratzscher fest, dass staatliche Umverteilung kein effizienter Weg zum Ausgleich auf dem Markt entstehender Ungleichheiten sei, seine Ideen laufen aber auf rigorose Staatsinterventionen hinaus. Die Frage, mit welchem Recht der Staat Einkommen und Vermögen, die auf legale Weise zustandegekommen sind, überhaupt umverteilt, stellt sich für ihn erst gar nicht. Materielle Ungleichheit ist ein Übel – basta. Die Aussagekraft der zum Beweis dieser These angeführten Statistiken ist mehr als fragwürdig. Denn wer Daten lang genug foltert, bekommt stets das gewünschte Geständnis. Der linken Reichshälfte wird dieses „wissenschaftliche“ Elaborat den Vorwand für noch brutalere Eingriffe des Staates in Familienangelegenheiten liefern. Ohne ausgedehnte Zwangsbeschulung ab dem Kleinstkindesalter sind seine Visionen nämlich nicht zu verwirklichen.


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