12. September 2016

Frauke Petry hat „Jehova“ gesagt „Völkisch“ geht gar nicht!

Autobahn reloaded

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Bildquelle: AfD Rheinland-Pfalz Frauke Petry: Von der völkischen Mediengemeinschaft treudeutsch angeschossen und ausgeschlossen

Frauke Petry hat in einem Interview gesagt, sie wolle den Terminus „völkisch“ aus seiner negativen Konnotation lösen und wieder positiv besetzen. „Ich benutze diesen Begriff zwar selbst nicht, aber mir missfällt, dass er ständig nur in einem negativen Kontext benutzt wird.“ Sie habe ein Problem damit, „dass es bei der Ächtung des Begriffes ‚völkisch‘ nicht bleibt, sondern der negative Beigeschmack auf das Wort ‚Volk‘ ausgedehnt wird“. Der Begriff „völkisch“ sei letztlich ein Attribut zum Wort „Volk“.

Man könnte jetzt spekulieren, warum Petry nicht auf das Schwefelwort mit dem gebotenen Pawlowschen Schreckreflex reagieren wollte, vielleicht weil sie ein naturwissenschaftliches Fach und obendrein die meiste Zeit im Ausland studiert, die Abrichtung also teilweise versäumt hat, vielleicht weil sie einfach keine Lust verspürt, auch den obligatorischsten Geßlerhut zu grüßen, und lieber einen Skandal in Kauf nimmt. Wahrscheinlich aber meint sie einfach, was sie sagt.

Nun wird die Gute freilich einmal mehr kennenlernen, was tatsächlich übriggeblieben ist von der „völkischen“ Mentalität, wenngleich sich die Zielrichtung um exakt 180 Grad gedreht hat. „Völkisch“ ist die Mentalität, die hinter dem inquisitorischen Insistieren der Interviewer steckt, die gar nicht mehr aufhören wollen, Petry über ihre wahrscheinlich staatsfeindlichen Zweifel an der alleingültigen Semantik des Wortes zu verhören. „Völkisch“ ist die Mentalität hinter dem „Kampf gegen rechts“, „völkisch“ ist die Mentalität, die „Rechten“ Hotelreservierungen oder die Eröffnung von Bankkonten verweigert. „Völkisch“ ist der Konsens gegen das Böse, zu dessen Überführung alle Mittel recht sind. „Völkisch“ ist das sofortige Ersetzen der Debatte durch das Tribunal. „Völkisch“ ist das Wohlbehagen in der Meute, die angemaßte Zensorenherrlichkeit, das restlos gute Gewissen beim Verfolgen des jeweils dazu Freigegebenen, die kern- und knalldeutsche Blockwartmentalität, die sich selbst als Rechtschaffenheit ausgibt. Bei den Antivölkischen hat sich die „völkische“ Mentalität sturheil erhalten. Wen sie verfolgen, bestimmt der Zeitgeist. Wichtig ist der „völkischen“ Mentalität, dass sie verfolgen kann.

„‚Völkisch‘ ist nicht irgendein Adjektiv“, notiert denn auch die „Zeit“ so prompt wie erwartbar. „Der Begriff völkisch bedeutet deutsch und steht für die Ausgrenzung von jedem, der nicht hier geboren wurde. Wer ihn nutzt, will faschistische Gedanken hoffähig machen.“ Gäbe der Autor dieser Zeilen zu, dass er gar nicht daran glaubt, was er da plärrt, er geriete selber ins Visier der Anständigen und mit wenigen Ausnahmen anständig Gebliebenen.

Die Faschismen und Antifaschismen kommen und gehen. Die „völkische“ Mentalität bleibt. „Sie hat ‚Jehova‘ gesagt! Steinigt sie! Sie hat ‚Jehova‘ gesagt!“ Und das hält sich für frei...

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


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