12. September 2016

RezensionFrank Böckelmann: Jargon der Weltoffenheit

Was sind unsere Wert noch wert?

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Frank Böckelmann war Protagonist der „Subversiven Aktion“ und wurde wegen Landfriedensbruchs, schweren Aufruhrs und Gefangenenbefreiung verurteilt. Der Mann weiß, wovon er spricht, wenn er die linke Bewegung nach 68 gekonnt seziert. Seine Entfremdung von den inhaltsleeren Phrasen und verdrehten Wortbedeutungen unserer Tage zeigt sich in diesem Buch. „Was sind unsere Werte noch wert?“, fragt der Autor im Untertitel. Das Buch liefert die schreckliche Antwort. Denn wer ist schon „uns“? Wer ist „wir“? Die Ökonomisierung und Globalisierung der Individuen ist längst eine Tatsache. Die Linke hat sich mit der Eroberung der Deutungshoheit von Universalmaximen unangreifbar, aber auch überflüssig gemacht. Sie existiert schlicht nicht mehr als individuelle Kraft. Vielfältig, bunt und demokratisch soll alles sein. Dagegen schreibt Böckelmann ziemlich fatalistisch und dabei auf höchstem sprachlichen Niveau an. Kein Buch für zwischendurch und ganz sicher keine leichte Lektüre. Eher eine Skizze der Situation, in der sich jeder selbst einordnen muss. Die Entgrenzung hat ihr eigenes Regime errichtet, und dieser Automatismus hat uns alle in seinen Krallen. Der Autor bezeichnet das als „massendemokratischen Imperativ“, aus dem es (fast) kein Entkommen mehr gibt. Jede Zeile atmet Widerspruch zum Zeitgeist und ist zutiefst antiuniversalistisch und auf das Individuum bedacht. Die Hegemonie des Westens lehnt er ab, und zwischen den Zeilen liest sich Alexander Dugins „Vierte politische Theorie“ heraus, ohne fassbar zu werden.Vieles bleibt ungesagt, erschließt sich aber umso deutlicher. So muss Philosophie sein. Das Buch ist trotz der geringen Seitenzahl unglaublich dicht, und eine einmalige Lektüre wird schon dem phantastischen Satzbau nicht gerecht, geschweige denn dem Inhalt. Die inhaltliche Leere des öffentlichen Diskurses ist zur Grundlage unseres Handelns und Planens geworden.


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