12. September 2016

RezensionThilo Sarrazin: Wunschdenken

Europa, Währung, Bildung, Einwanderung – Warum Politik so häufig scheitert

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Thilo Sarrazin wollte ein konstruktives Buch schreiben, denn nach seinen bisherigen Kritiken wurde ihm vorgeworfen, kein positives Programm zu haben. Mit „Wunschdenken“ sagt er, worauf es beim guten Regieren ankommt. Doch bevor er konstruktiv wird, muss er aussortieren, was heute falsch läuft. Das Buch hat fünf Kapitel: „Weshalb einige Gesellschaften Erfolg haben“; „Träume und Phantasien vom glücklichen Zusammenleben“; „Regeln und Prinzipien des guten Regierens“; „Wie politische Fehler entstehen und was sie bewirken“ und „Wie ich die Weltlage sehe und was ich mir für Deutschland wünsche“. Sarrazin findet Erfolgsfaktoren und Ursachen für die Dekadenz von Gesellschaften heraus. Insbesondere ortet er bei politischen Utopien ein großes Gefahrenpotenzial. Der heutigen Politik wirft er vor, sich in Wunschdenken zu verlieren und deshalb zu versagen. Die Gründe dafür sind: Unwissenheit der Politikerinnen und Politiker; ihre Überschätzung der eigenen Handlungsmöglichkeiten; ihre Bedenkenlosigkeit; ihr Egoismus und ihr Selbstbetrug. Das im Buch vorgeschlagene konstruktive Programm basiert auf Selbstdisziplin. Und diese hat mehrere Facetten. Sie verlangt beispielsweise, dass Staaten sorgfältig mit Steuergeldern umgehen, dass Grenzen gesichert werden; dass das eigene kulturelle Erbe gesichert und gepflegt wird und dass auf Bildung und Leistung gesetzt wird. Vor allem verlangt sein Programm eine Absage an die „Hobbys der Gesinnungsfetischisten“. Freilich kann man Sarrazin vorwerfen, wissenschaftlich nicht sauber genug zu arbeiten oder zu wenig selbstkritisch zu sein. Und natürlich muss man ihm vorwerfen, sein Programm sei ein sozialdemokratisches. Aber letztlich stimmen sowohl Analyse als auch Kritik. Das Buch ist leicht lesbar und interessant. Fakten und Zusammenhänge werden gut erklärt. Und selbst das sozialdemokratische Programm ist viel liberaler als die heutige politische Realität.


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