12. September 2016

RezensionBodo Schäfer: Rente oder Wohlstand

Wer sich auf die Rente verlässt, wird niemals finanziell frei!

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Bisweilen lohnt ein Buchcover-Vergleich, vor allem, wenn es sich bei artverwandten Inhalten um den gleichen Autor handelt und zwischen den Publikationen fast zwei Jahrzehnte liegen. Die Erstausgabe von Bodo Schäfers im deutschen Sprachraum bislang unübertroffenem Bestseller zum Thema Geld („Der Weg zur finanziellen Freiheit“) wurde 1998 noch in silbergrau eingebunden. Ähnlich schattiert war der Anzug des den Titel zierenden Autors, den fast träumerischen Blick des noch jugendlich wirkenden Gesichts leicht aufwärts rechts am Betrachter vorbei nach oben richtend, während die linke Hand bedeutungsschwanger die Finger zusammenführend auf Schulterhöhe verharrte. 18 Jahre später ist der deutlich reifere und ernstere Blick direkt dem Publikum zugewandt, das üppige, sattbraune Haar einer graumelierten Kurzhaarfrisur gewichen, bei Anzug wie Bucheinband dominieren tiefdunkle Farbtöne. Die beiden Deckblätter stehen damit symptomatisch für die zeitgemäße Modifikation derselben Kernaussagen. Thema beider Werke ist zum einen die Bedeutung von Glaubenssätzen zur Erlangung materiellen Wohlstandes, zum anderen konkrete Handlungsempfehlungen, um dieses Ziel zu erreichen. Aus diesem Grund dürfen intime Kenner der Materie im neuen Schäferschen Finanzratgeber auch keine wesentlichen neuen Erkenntnisse erwarten. Dieser greift im kürzeren ersten Teil mit dem Thema Rente stellvertretend die Gefahren jener „komfortablen Stallfütterung“ auf, vor denen bereits Röpke, Hayek und viele andere vor über einem halben Jahrhundert gewarnt haben. Anhand konkreter Fallbeispiele und Hochrechnungen führt Schäfer drastisch die hochgradige Wohlstandsgefährdung vor Augen, die der unerschütterliche Glaube an den dünkelhaften Versorgungsstaat unweigerlich nach sich zieht. Dessen feudalem Instrumentarium stellt Schäfer die konsequente Revitalisierung der Selbstverantwortung gegenüber, für die zumindest in materieller Hinsicht das Prinzip des passiven Einkommens Pate steht. Grundlegendes Rüstzeug gibt er dem Leser im zweiten, wesentlich längeren Teil des Buches an die Hand. Auch dieses basiert, wie bei seinem transatlantischen Pendant Robert Kiyosaki (siehe Buchbesprechung in ef 149), auf der Optimierung der Einnahmen, der Reduzierung der Ausgaben, systematischem Sparen und smartem Anlegen. Ein abschließendes Sieben-Punkte-Programm soll bei der entsprechenden Umsetzung im Alltag helfen. Zwei nicht zu unterschätzende Verdienste kann sich Bodo Schäfer ob seines Wirkens zweifelsohne ans Revers heften: Wirksame Unterstützung einerseits beim Ausstieg aus der (finanziellen) Opferrolle sowie andererseits beim Einstieg in ein pragmatisches System effizienter Haushaltsführung. Auch die Handlungsempfehlungen an Privatanleger haben sich im Vergleich zu seinem Bestseller wissenschaftlich fundierten Standards erheblich angenähert. Propagierte Schäfer 1998 noch mit dem „Königsweg“ („jede Aktie wirklich nur noch mit Gewinn verkaufen“), der Investition in ausgewählte „Aktien allererster Güte“ (unter anderem Karstadt), eine Konzentration der Mittel, empfiehlt er 2016 breit und kostengünstig zu diversifizieren. Im Gegensatz dazu ist es ihm allerdings nicht in Gänze geglückt, sich von seinem Hang zu übertriebenen Renditeerwartungen zu lösen, wobei aus den blasengeschwängerten „sicheren“ zwölf Prozent pro Jahr Ende der 90er wesentlich bescheidenere vier Prozent geworden sind. Woher diese resultieren sollen, derweil gar zehnjährige Bundesanleihen negativ rentieren, bleibt ein Geheimnis des Autors. Als schwerer Schnitzer schließlich muss auch sein leidenschaftlicher Appell zur möglichst umfassenden Nutzung sämtlicher Formen staatlich geförderter Altersvorsorge gewertet werden, in die zehn Prozent des Einkommens fließen sollen. Fazit: Ein mit Abstrichen insbesondere für Einsteiger empfehlenswerter Finanzratgeber.

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