03. September 2016

Vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern Merkel-Deutschland – ein Selbstbedienungsladen

Skandale, die für die Mainstream-Medien kein Thema sind

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Bildquelle: shutterstock Surft schneller: Mecklenburg-Vorpommern

Nun steht die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern unmittelbar bevor, und die Kreml-Astrologen haben Hochkonjunktur. Die am heißesten diskutierten Fragen sind, ob die CDU nach der AfD ins Ziel geht und wie die Stimmverteilung im Wahlkreis der Kanzlerin aussehen wird. Da gab es in der Vergangenheit CSU-Mehrheiten für die CDU-Parteivorsitzende. Spätestens seit die ersten „Merkel-muss weg“-Rufer in Stralsund, Merkelhochburg seit 1990, als der CDU-Kreisverband der Stadt Merkel zu ihrem Bundestagsmandat verholfen hat, aufgetaucht sind, drang die Nachricht ins Kanzlerinnenamt, dass es auch hier dramatische Stimmenverluste geben könnte. Dem musste vorgebeugt werden. Da Merkel nichts anderes denken kann, als alle möglichen Probleme mit Geld lösen zu wollen, gab es einen tiefen Griff in die Staatskasse. Interessanterweise stand ihr ein CSU-Minister dabei zur Seite.

Wolfgang Prabel, dem tapferen Blogger aus dem Weimarer Land, ist es zu verdanken, dass der Coup nicht unentdeckt blieb. Er hat nachgerechnet und schreibt auf seinem Blog: „Kürzlich hat Frau Dr. Merkel eine Wahlkampfshow auf der Insel Ummanz abgezogen. Sie war bei der Einweihung des schnellen Internets auf der Insel zugegen. Um ihren CDU-Landtagskandidaten, der auch Bürgermeister auf der kleinen Insel ist, zu stützen. Nun gehört Ummanz allerdings bei der Bundestagswahlkreiseinteilung zum Kanzlerwahlkreis Nr. 15 (Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I) mit rund 245.000 Wahlberechtigten, von denen bei der letzten Bundestagswahl bei einer Wahlbeteiligung von 64 Prozent noch 56 Prozent ihre Stimme Merkel gaben. In ihrem Wahlkreis wird das Internet massiv ausgebaut. Am 28. April 2016 wurden von Bundesminister Dobrindt Förderbescheide verteilt. Der ‚Spiegel‘ hatte dazu recherchiert: ‚420 Millionen Euro verteilt er an diesem Donnerstag. Das Geld erhalten 55 Ausbauprojekte in 36 Landkreisen und Kommunen. Es ist das verbliebene Prestigeprojekt Dobrindts, nachdem er mit seiner Pkw-Maut auf so viel Widerstand stößt. Interessant ist dabei, an wen und wofür das Geld fürs schnelle Internet fließt. 247 der 420 Millionen Euro fließen in ein einziges Bundesland – nach Mecklenburg-Vorpommern. Besonders viel Geld fließt in die Flächenlandkreise Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald. Allein im Landkreis Vorpommern-Rügen werden neun Projekte mit insgesamt 83 Millionen Euro gefördert.‘

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. 83 von 420 Millionen Förderung deutschlandweit fließen in den Kanzlerwahlkreis. Das sind 19,8 Prozent der Bundesmittel für einen einzigen Landkreis. Auch bei der Verteilung in Mecklenburg ging es schräg zu. 83 Millionen für den Kreis Vorpommern-Rügen von 247 Millionen für das Land sind 33,6 Prozent. Mecklenburg hat 1,61 Millionen Einwohner, der besagte Kreis Vorpommern-Rügen aber nur 225.000, also knapp 14 Prozent der Einwohner des Bundeslandes. 33,6 Prozent Förderung auf 14 Prozent Einwohner im Merkel-Wahlkreis. Auf die Bundesrepublik bezogen hat der Kreis 0,28 Prozent der deutschen Einwohner und bezieht, wie wir schon rausgerechnet hatten, 19,8 Prozent der Förderung.“

Das ist nicht alles. Es kommt noch besser: „Schon seit 2014 liegt bei Kabelverteiler A 3 in Milmersdorf bei Templin VDSL-Geschwindigkeit an. Sonst nirgends in der Umgebung. Reiner Zufall, behauptet die Telekom. Rein zufällig hat jedoch Frau Dr. Merkel ihr Wochenendhaus schräg gegenüber vom Verteiler.“

Merkel begnügt sich nicht mit ein paar läppischen Montblanc-Füllern. Wer jetzt glaubt, dass Deutschland zu einem Selbstbedienungsladen für Politiker verkommen ist, kann nur ein Rechter sein. Unsere Mainstream-Medien sind es jedenfalls nicht, weswegen diese offensichtlichen Skandale keinen Bericht wert ist.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Mecklenburger am Sonntag entscheiden. Hoffentlich ist ihnen bewusst, dass sie am Wahltag zeigen können, was sie von der Politik halten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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