25. August 2016

Reichtum und Armut auf dem Schwarzen Kontinent Die acht reichsten Herrscher Afrikas (und ihr Kontostand)

Herrschaft ohne Verantwortung

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Bildquelle: shutterstock Leben wie die Maden im Speck: Herrscher in Afrika

Die Menschen des afrikanischen Kontinents gelten als arm. Sie sind arm, weil die reichlich vorhandenen Rohstoffe den Kontostand der afrikanischen Herrschenden auf ausländischen Banken, nicht aber den Lebensstandard der breiten Bevölkerung erhöhen. Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich, zwischen Knechten und Herren, bleibt eines der größten Probleme in Afrika. Die Erfordernisse einer Modernisierung und einer Transparenz ihres politischen Handelns sind vielen Verantwortlichen in Afrika nicht im Bewusstsein. Fast überall mehrt sich Korruption. Dort, wo afrikanische Politiker, jeder auf seine Art, beliebig über die Ressourcen und die Bevölkerung des Landes verfügen, ist eine Armutsbekämpfung nicht möglich. Diese Politiker herrschen über Menschen, sie fühlen sich ihnen gegenüber nicht verantwortlich. In Afrika als „Autokrat“ bezeichnet zu werden, ist für die meisten Politiker keine Beleidigung. In der afrikanischen Kultur ist der Gehorsam gegenüber Älteren und Chefs tief verwurzelt. In diesem kulturellen Umfeld ist eine Rechenschaftspflicht des Präsidenten schwer durchzusetzen. Für junge Afrikaner ist es schwierig, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und nicht bloße Beobachter des öffentlichen Lebens zu bleiben. Für die überalterten Regierenden und ihre Funktionäre beginnt die politische Partizipation mit den Wahlen, und sie endet auch mit ihnen. Diese Zementierung und Überalterung bedeuten eine zunehmende Marginalisierung der afrikanischen Jugend, zumal sie nicht einmal in Partei-Entscheidungen wirklich mit einbezogen wird.

Wer sind diese Herrscher, die sich unverfroren der Reichtümer bedienen, während viele Afrikaner von zwei Dollar am Tag leben müssen?

Das britische Statistikbüro „Africa Ranking“ hat eine Liste der acht reichsten Präsidenten/Könige erstellt. Die Zahlen stammen aus öffentlichen Quellen und dürften deshalb eher zu niedrig angesetzt sein. Ihre genauen Vermögenswerte kennen wohl nur die Präsidenten selbst. Fast immer sind riesige Ländereien und massive Rohstoffvorkommen die Basis der Vermögen.

José Eduardo dos Santos: 20 Milliarden US-Dollar Vermögen

Dos Santos ist seit 37 Jahren Präsident von Angola. Das Land ist neben Nigeria der größte Erdölproduzent auf dem afrikanischen Kontinent. Fast alle Staatseinnahmen stammen aus dem Rohstoffgeschäft. José Eduardo dos Santos führt das Land wie einen Familienbetrieb. Nahezu alle Schlüsselpositionen sind mit engen Verwandten des Präsidenten besetzt. Nicht selten entscheidet der Präsident selbst. Macht wird informell und über klientelistische Netzwerke ausgeübt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet von Dutzenden von Milliarden Petro-Dollars, die an der Zentralbank vorbeigeschleust wurden. Im „Forbes“-Magazin wird Peter Lewis, Professor für Afrikastudien an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (USA), zitiert: „Das zentrale Problem in Angola ist die komplette Abwesenheit von Transparenz.“

Die Tochter des Präsidenten, Isabel dos Santos, wird bei „Forbes“ mit 3,8 Milliarden gelistet. Während sie Geld mit vollen Händen ausgibt, lebt die Mehrheit der 21 Millionen Angolaner in großer Armut. Jeder dritte Erwachsene ist Analphabet, viele leben ohne Strom und sauberes Wasser. Im Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen (Human Development Index) rangiert die Nation nur auf Rang 148 von 187 analysierten Ländern.

Mohammed VI. von Marokko: 2,1 Milliarden

Der König von Marokko ist auch der bedeutendste Geschäftsmann des Landes. Er übernahm die Macht vor 17 Jahren nach dem Tode seines Vaters König Hassan II.

Teodoro Obiang Nguema Mbasogo: 600 Millionen

Obiang ist seit 37 Jahren Präsident von Äquatorialguinea. Nach einem Militärputsch gegen seinen Onkel Francisco Macías Nguema übernahm er 1979 die Macht. Nach dem Putsch ließ er seinen Onkel töten. Im Zuge der allgemeinen Demokratisierung in Afrika führte er „demokratische Wahlen“ ein. Zuletzt ließ er sich mit 95,4 Prozent der Stimmen wiederwählen. Seine Partei hält 99 von 100 Sitzen im Parlament und 74 von 75 Sitzen im Senat. Mit etwa 700.000 Einwohnern ist Äquatorialguinea eines der kleinsten Länder Afrikas. Die ehemalige spanische Kolonie in Zentralafrika gewährt ausländischen Journalisten nur selten Einreisevisa.

Äquatorialguinea hat eine Ölförderung pro Kopf wie Katar. Trotz des Rohstoffbooms leben weite Teile der Bevölkerung in Armut. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen belegt das Land den 136. Platz von 187 Staaten.

Uhuru Kenyatta: 500 Millionen

Kenyatta ist seit drei Jahren der vierte Präsident von Kenia. Er ist der Sohn des ersten Staatschefs, Jomo Kenyatta. Er besitzt erhebliche Ländereien und zahlreiche Unternehmen, wie die Commercial Bank, die Heritage Hotels, die Medienfirma Mediamax und den größten Molkereikonzern Ostafrikas, Brookside.

Paul Biya: 200 Millionen

Biya ist seit 34 Jahren Präsident von Kamerun. In diesem Land zeigt sich beispielhaft die direkte Verbindung zwischen politischer Macht und Reichtum. In Kamerun sind die Reichen nicht die Unternehmer, sondern die Günstlinge des Regimes. Die miserable Plazierung des Landes auf dem Korruptions-Index von Transparency International ist keine abstrakte Zahl, sondern wird bei jeder Bewegung im Alltag fühlbar.

Eine gemeinsame Debatte über wichtige Fragen findet nicht einmal in der Regierung statt. Es gibt nämlich so gut wie keine Kabinettssitzungen mit dem Präsidenten. Er kann keine wirkliche Demokratie wollen. Er hat ein informelles Subsystem von Personenbeziehungen aufgebaut, das der Machtausübung und der Machtsicherung dient. Minister oder Präfekte erfahren ihre Ernennung oder Absetzung – zur selben Zeit alle Bürger – durch das staatliche Fernsehen CRTV. Sie wurden zuvor nicht einmal gefragt. Zu Reformen sagt Biya regelmäßig ja, ohne sie anwenden zu wollen.

Seine Amtsgeschäfte führt er gern von einem Luxushotel in Genf aus. Ein Urlaub vor ein paar Jahren, den Biya mit seinem Hofstaat und der Familie im französischen La Baule verbrachte, war ausgesprochen mondän: 43 Suiten mieteten der Präsident und seine Entourage, für 800.000 Euro.

Mswati III. von Swasiland: 200 Millionen

Das Königreich Swasiland im Süden Afrikas ist mit knapp 17.400 Quadratkilometern etwa so groß wie Sachsen.

Mswati III. ist seit 31 Jahren König von Swasiland und somit Oberhaupt der letzten absolutistischen Monarchie Afrikas. Während das Volk in Armut lebt und Aids sich rasant ausbreitet, bereist der König die Welt oder pflegt seinen teuren Fuhrpark. Millionen soll er für die neuen Paläste seiner 13 Gattinnen ausgegeben haben. Hinzu kommen Privatstraßen und eine private Wasserversorgung sowie aufwendige Shoppingtouren der Königinnen in europäischen Metropolen.

Dem Monarchen gehören 25 Prozent an allen Minen des Landes.

Während die königlichen Ausgaben auf 61 Millionen Dollar pro Jahr gestiegen sind, lebt die Hälfte von Mswatis Untertanen von weniger als 30 Dollar im Monat.

Idriss Déby: 50 Millionen

Gewaltsame Machtkämpfe sind eine Konstante in der Geschichte des Tschad. Als Sicherheitsberater des Diktators Hissène Habré erwarb sich Déby einen umstrittenen Ruf bei der brutalen Zerschlagung von Rebellenverbänden. Seit 26 Jahren ist der Ex-Militär selbst an der Macht. Frankreich schätzt ihn. Der Tschad gilt in der unruhigen Region als vergleichsweise stabil. Déby bleibt trotz Menschenrechtsverletzungen an der Macht, weil das Ausland ihn lässt – oder sogar ermutigt. Wenn es um Afrika geht, galt im Westen schon immer die Devise: Keine Experimente. Als Déby 2012 eine weitere Frau heiratete und die Kosten dieser Heirat laut französischen Medien sich auf 18 Millionen Euro beliefen, gab es keinerlei Kritik.

2003 wurde das Land fünftgrößter Ölproduzent des Kontinents. 40 Millionen Liter Rohöl wurden seither gefördert.

Robert Mugabe: Zehn Millionen

Mugabe herrscht seit 36 Jahren über Simbabwe. Das Land ist reich an Mineralien wie Platin, Diamanten, Graphit und Gold. Von den Bodenschätzen profitieren nur wenige Simbabwer um die Familie Mugabe. First Lady Grace Mugabe beutet zum Beispiel das außerordentlich ertragreiche Diamantenfeld von Marange nahe der Grenze zu Mosambik als Privatbesitz aus. Im Volk wird sie „Gucci Grace“ genannt, in Anspielung auf ihren luxuriösen Lebensstil. Auf Mugabe trifft zu, was der südafrikanische Wissenschaftler Moeletsi Mbeki in seinem Buch „Architects of Poverty“ schreibt: dass die meisten Länder im südlichen Afrika noch von Parteien regiert werden, die gegen die Kolonialmacht gekämpft haben. Sie seien überzeugt davon, dass sie der Freiheitskampf berechtigt, das Land für immer zu regieren. Auch würden sie nicht akzeptieren, dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtig zu sein. Mugabe hat Simbabwe so weit heruntergewirtschaftet, dass es inzwischen ein Land der Armut mit 14 Millionen teils hungernden Menschen geworden ist. Dies sind die Folgen von Repression, Korruption und zynischem Desinteresse von Mugabe an einer Daseinsvorsorge für die Bevölkerung. Es gibt unverändert unglaubliche Armut und Not. Gleichzeitig nimmt das Vermögen der Oberschicht märchenhafte Dimensionen an. Die „Sunday Times“ vom 14. Februar 2009 berichtete, dass Mugabe in Hongkong eine Villa für 5,6 Millionen US-Dollar gekauft hat. Schon deshalb dürfte die Schätzung des Vermögens durch Africa Ranking zu niedrig ausgefallen sein.

Seit Jahren gönnt sich Mugabe luxuriöse Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag. Im letzten Jahr ließ er sich von Tausenden von Anhängern im Fünf-Sterne-Ressort „Elephant Hill Hotel“ in der Nähe der Victoriafälle feiern. Für Mugabes großspuriges Geburtstagsmenü, das eine Million Dollar kostete, wurden 100 Tiere, darunter zwei Elefanten, geschlachtet. Dieses Jahr hat die Geburtstagszeremonie 800.000 US-Dollar (umgerechnet 715.000 Euro) gekostet.

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“, das im Herbst 2014 in erweiterter siebter Auflage bei dtv erschienen ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Ortner Online“.


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