17. August 2016

RezensionDon Winslow: Die Sprache des Feuers

Roman

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Wenn man „den neuen Don Winslow“ besprechen will, ist stets zügiges Lesen angesagt. Denn der amerikanische Krimi-Star ist äußerst produktiv – weniger Wohlwollende könnten die Bezeichnung Vielschreiber verwenden. Winslow arbeitet oft sogar an zwei Manuskripten gleichzeitig. Die Imageabteilung seines deutschen Verlages, Suhrkamp, lässt ihn in der biographischen Vorstellung ab fünf Uhr „unermüdlich“ am Schreibtisch sitzen. Winslow sieht die Schriftstellerei als Beruf an und schreibt mit Fleiß und Können, weil die Geschichten offenbar nur so aus ihm herausquellen. Der „Neue“ auf dem deutschen Markt, „Die Sprache des Feuers“, erschien in Amerika bereits 1999 und zeigt einmal mehr, dass sich Produktivität und Qualität keineswegs ausschließen. Winslow gestaltet in der „Sprache des Feuers“ den atemberaubenden, perfekt durchkomponierten Plot einer durch und durch verkommenen Gesellschaft. Von Plautus und Thomas Hobbes wissen wir zwar schon seit Menschengedenken, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist. Bei Winslow erschaudern wir allerdings vor der Realität des Bösen, das sich motivisch als verzehrendes und zugleich bereinigendes Feuer durch die Geschichte des Jack Wade zieht. Wade ist ein amerikanischer Michael Kohlhaas, der das Unrecht nicht ertragen kann. Als Brandermittler einer Versicherung kommt er einem russischen Einwanderer auf die Schliche, der einen Feuerschaden regulieren möchte, bei dem auch die Ehefrau des Geschädigten ums Leben gekommen ist. Mord? Winslow wäre nicht so erfolgreich, wenn er es dabei belassen würde. Hinter dem Brand steckt ein Labyrinth aus Kumpanei und organisiertem Verbrechen, für das Recht und Gesetz keine Geltung haben. Bei diesem schnellen und spannenden Roman wird alles durcheinander gewirbelt. Am Ende steht nur ein bisschen Happy End, das nicht den billigen Trost des „Es wird schon alles gut“ spendet. Dass dieses Buch trotz aller Gesellschaftskritik und der genauen Recherche über das Sujet nicht belehrend wirkt, macht es so empfehlenswert.


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Dossier: Literatur

Autor

Andreas Molau

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