15. August 2016

RezensionPeter Bayer: Gewitter über Kentucky

Roman

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Mit „Gewitter über Kentucky“ hat Peter Bayer einen Roman geschrieben, der im Kentucky des Jahres 2129 spielt. In dieser Zukunft existieren keine Staaten mehr. Stattdessen liegt die Macht in den Händen der Vorstände und Aufsichtsräte von Konzernen. Die Konzerne selbst, zumindest der Luftfahrtkonzern FUAC, in dem die eigentliche Geschichte spielt, sind dabei im Inneren demokratisch verfasst: Es gibt Wahlen für einflussreiche Gremien,  beispielsweise das „Sozialkomitee“. Zwischen den unterschiedlichen Konzernen gibt es nur ein vertragliches Regelwerk, die Charta der freien Unternehmen. Kann ein Konzern seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, so heuert der Gläubiger eine Privatarmee an, die Vermögenswerte des Schuldners mit Waffengewalt an sich bringt und somit eine Art Zwangsvollstreckung vornimmt. Da jedoch quasi alle Konzerne große Schulden bei anderen haben, pflanzen sich Zahlungsstockungen und die folgenden Zwangsmaßnahmen weltweit fort. In dieser Ausgangslage hat die Hauptfigur Robert Howard innovative Ideen, wie die Probleme der Konzerne gelöst werden können. Er kandidiert daher für den Vorsitz des Sozialkomitees. Der bisherige Inhaber dieser Position hat sich jedoch schon lange mit dem Konzernvorstand arrangiert. Die Kandidatur des Neulings kommt sowohl ihm als auch den meisten Vorstandsmitgliedern sehr ungelegen, so dass es zu einem großen, teilweise gewalttätigen Kampf im Konzern kommt. Leider kann der Roman die Erwartungen, die Ausgangslage und Handlungsverlauf wecken, nicht ganz erfüllen. Insbesondere die Figuren wirken hölzern und nicht gut ausgearbeitet. Ein Handlungsstrang, in dem es um eine alte, aber zugleich höchst zukunftsträchtige Erfindung geht, wird auf den ersten Seiten angerissen und erst rund 600 Seiten später wieder aufgenommen. Auch neigt der Autor zum Belehren, wenn ingenieurwissenschaftliche Tatsachen eine Rolle spielen. Fazit: Eine spannende Geschichte, die aber auf bessere Weise hätte erzählt werden können.


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Dossier: Literatur

Autor

Cajus M. Netzer

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