12. August 2016

RezensionVolker Kempf: Die Europäische Union

Perspektiven mit Zukunft?

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„Die politischen Führer finden nicht nur nicht den richtigen Ton, sondern sie sagen Dinge, die meilenweit entfernt sind vom Bewusstsein der Bürger. Es reicht eben nicht mehr, mit schönen Worten die Vorzüge der europäischen Einheit zu beschwören und dann einen Text vorzulegen, den nicht einmal die Befürworter mit klaren verständlichen Worten beschreiben können.“ Diese Sätze könnten ein aktueller Kommentar zur Euro-Krise sein. Sie stammen aber schon aus dem Jahr 2005 und gehen auf den 2009 verstorbenen deutsch-britischen Politiker, Soziologen und Publizisten Ralf Dahrendorf zurück. Volker Kempf erinnert in seinem Vorwort zu „Die Europäische Union – Perspektiven mit Zukunft?“ daran, dass die Mahnung eines anderen bedeutenden Soziologen, nämlich des früheren Buchenwald-Häftlings und Förderers der europäischen Integration Eugen Kogon, mittlerweile in Vergessenheit geraten sei: Kogon hatte nämlich gesagt, europäische Politik müsse über den Volkswillen rückversichert werden. Dies findet aber derzeit de facto nicht statt, so dass man den Eindruck gewinnt, die Europäische Union schlage gedankenlos einen Weg ein in Richtung einer „Sowjetunion light“. Heiner Kappel verließ vor der Euro-Einführung seine Partei, um sich gegen die drohende Transferunion stark zu machen. Der frühere Vorsitzende der Kleinpartei „Bund freier Bürger“ sieht sich nachträglich in seinem Kampf gegen den Euro bestätigt. Die Preisgabe der Deutschen Mark, so Kappel, „war der Anfang einer gewollten Transferunion“. Während die Rettungs-Europäer ihre finsteren Pläne mit immer unverständlicheren Worthülsen verbrämen, schreibt der rechtsliberale Heiner Kappel klar und verständlich: „Wenn ich meinem Nachbarn Geld geben muss, damit er mir anschließend mein Produkt abkaufen kann, mag dies formal ein Geschäft sein, es bleibt aber ein reichlich dummes und unwirtschaftliches. Und wenn ich ihm Geld leihe, von dem ich weiß, dass ich es nie wiederbekomme, ist das Ergebnis letztlich das gleiche.“


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