09. August 2016

RezensionMartin van Creveld: Kriegs-Kultur

Warum wir kämpfen: Die tiefen Wurzeln bewaffneter Konflikte

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Einer breiten Leserschaft dieses Magazins dürfte noch die peinliche Posse um die Person van Crevelds (ef 118) in unschöner Erinnerung geblieben sein. Im Dezember 2011 berichtete eigentümlich frei von der gnadenlosen Blöße, die sich die Leitung der Universität Trier im Umgang mit dem weltweit renommierten Militärhistoriker gab, indem sie eine fest vereinbarte Gastprofessur nach der Antrittsvorlesung als Reaktion auf einen unsäglichen Schmähbrief des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) im vorauseilenden Gehorsam stornierte. Nun, wer sich mit den streitbaren Thesen dieses durchaus nonkonformistischen Wissenschaftlers auseinandersetzen möchte, findet auch in dessen neuester Publikation ausreichend Material. Diese ist insofern einzigartig, als dass van Creveld damit das einzige Sachbuch seiner Gattung vorgelegt haben dürfte, in dem Kampfhandlungen sowie deren Ursachen und Folgen als solche komplett außen vor bleiben. Auf knapp 500 Seiten vollzieht der Autor vielmehr eine welthistorische Gesamtschau organisations- und technologieunabhängiger Konstanten rund um das Phänomen des Krieges gepaart mit einem Paradigmenwechsel weg von der Clausewitzschen „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ zurück zu Heraklits Diktum vom Krieg als „aller Dinge Vater“. Entsprechend erfolgt die Einteilung der Kapitel nicht anhand historischer Epochen. Vielmehr reflektiert der Autor die zeitabhängige Durchdringung der sozioökonomischen Sphäre im Zuge spezifischer kriegerischer Phasen, so zum Beispiel bei der Vor- und Nachbereitung von Kriegen, der späteren Geschichtsschreibung, aber auch des Einflusses kriegerischer Handlungen auf (Aus-) Bildung und Kunst. Van Crevelds Streifzug durch 3.000 Jahre anthropologische Gemeinsamkeiten der Kriegs- und Kulturgeschichte besticht durch seine Schlichtheit ebenso wie seinen Facettenreichtum. Als archaisches Verhaltensmuster der (Todes-) Angstüberwindung, so seine These, werden unserer Gattung Kampf und Krieg als kulturprägende Kraft auch in Zukunft erhalten bleiben.


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