05. August 2016

RezensionStefan Blankertz: Die Literatte

Roman

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ef-Redaktionsbeirat Stefan Blankertz, literarisch bisher mit Romanen hervorgetreten, die in ferner Vergangenheit oder Zukunft spielen, hat mit der „Literatte“ sein autobiographischstes Werk vorgelegt. Es ist die Geschichte von Thomas Prawon, der anlässlich eines Umzugs auf tagebuchartige Aufzeichnungen und literarische Versuche aus seiner Jugendzeit in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts stößt. Blankertz hat für die Recherche zum Roman auf entsprechende eigene Aufzeichnungen aus seiner Jugend zurückgegriffen, und so mischen sich autobiographische Tatsachen (und Tatmänner und Tatfrauen) mit  fiktionalen Versatzstücken, die ebenfalls aus der Feder Blankertz‘ aus der damaligen Zeit stammen. Es entsteht das Bild einer unruhigen Zeit, die auch Leser, die wie der Rezensent damals noch Kinder waren, als authentisch empfinden werden. Ein erster Blick in das Buch reicht aus, um festzustellen, dass es sich um sprachexperimentelle Literatur handelt. Der Autor arbeitet mit verschiedenen Schriftarten, Einschüben in Klammern und Fußnoten als Stilmitteln und schafft so einen Text, in dem verschiedene Zeitebenen in- und gegeneinander laufen und Aussagen oft unmittelbar nach ihrer Tätigung in Frage gestellt werden. Das wirkt manchmal albern, meist aber witzig und erhellend. Entsprechend ist die „Literatte“ nur denjenigen Lesern zu empfehlen, die bereit sind, sich auf derartige sprachspielerische „Zettelkastenliterattour“ à la Arno Schmidt einzulassen. Der Gedanke, der den Rezensenten durchzuckte, als er das Buch zum ersten Mal aufschlug, dass nämlich solche Sprachspiele geeignet sind, über sprachliche Unzulänglichkeiten, wie sie in des Autors Romandebüt „Die Konkubine des Erzbischofs“ (2001) festzustellen waren, hinwegzutäuschen, erwies sich bei näherer Lektüre als völlig haltlos. Es ist zu hoffen, dass wir in Zukunft weitere literarische Ergüsse nicht nur von Blankertz, sondern auch von Prawon zu Gesicht bekommen.


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Ulrich Wille

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