05. August 2016

RezensionFlorian Asche: Jagen, Sex und Tiere essen

Die Lust am Archaischen

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Florian Asche betätigt sich seit 1997 als Rechtsanwalt in Hamburg, er promovierte zuvor zum Thema Werbeintegration. In Jägerkreisen weiß man ihn als kenntnisreichen Autoren jagdrechtlicher Literatur zu schätzen. Nun legt er einen kernigen Essay vor, in dem er Partei ergreift für alle Ausprägungsformen der archaischen Lust des Menschen am Fleisch – die Jagd, den Geschlechtsverkehr und den Verzehr artfremder Spezies. Das Archaische an allen drei Formen stellt Florian Asche provokant in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er zieht sich nicht zurück auf ökologisch und politisch korrekte Plädoyers für das Jagdwesen, auf Wildpflege, Pflanzen- oder Tierschutz. Dies alles ist ihm langweilig und wenig zielführend auf dem Weg, die Jagd als Freizeitbeschäftigung zu erhalten. Ihm gelingt es stattdessen, die einfache Freude an der Jagd zu veranschaulichen. Fernab all der angepassten Werbung um Akzeptanz solle sich der Jäger einfach wieder der Jagd erfreuen und sich als ursprünglichen Teil einer wildwüchsigen Natur erfahren. In engem Verhältnis zur Jagd sieht Florian Asche dabei den Geschlechtsverkehr. Ausführlich berichtet der Autor von den interessanten erotischen Parallelen zwischen Sex und Jagd. Der Archaiker genießt beides. Warum hat er Angst, dies auch zu benennen? Sex und Jagd zeigen in ihren modernen Ausprägungen aber auch bedrohliche Potenziale, so Florian Asche. Bordelle wie Gatterjagden seien lediglich Ersatzstoffe. Pornographie wie Nachtsichtgeräte filterten das wahre Vergnügen nur. In einer Welt der Surrogate aber sei die ursprüngliche Jagd mit Hund und Büchse, wie der ungefilterte Sex, einer der letzten Zufluchtsorte des Archaikers. Wenn sich die Jäger dies eingestehen könnten, würde die Jagd als Freizeitbetätigung schnell wieder an Prestige gewinnen. Wofür sonst, wenn nicht für die reine Freude am Archaischen, sollten deutsche Jäger jährlich 500 Millionen Euro Jagdpacht zahlen? Ein Buch für wahre Kerle!


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