02. August 2016

RezensionStefan Blankertz: Minimalinvasiv

Acht kritische Nachträge

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ef-Redaktionsbeirat Stefan Blankertz hat „acht kritische Nachträge“ unter dem Titel „Minimalinvasiv“ herausgebracht. Dabei handelt es sich um vier Vorträge aus den Jahren 2010 und 2011, drei Originalbeiträge und eine 2010 veröffentlichte Kurzgeschichte. Aus freiheitlicher Sicht besonders interessant sind das vierte bis siebte Kapitel: „Wie praktisch ist die Praxis“ ist eine Kritik des Autors an dem, was er den „praktischen Reflex“ auf theoretische Kritik nennt. Er sollte denjenigen zu denken geben, die wähnen, man müsse zu Kompromissen bereit sein, um seine Sache „praktisch umzusetzen“. Immer wieder hat eine solche kompromissbehaftete „praktische Umsetzung“ ursprünglich freiheitliche Anliegen in ihr Gegenteil verkehrt. „Die Radikalität kleiner Schritte“ ist ein Porträt des Anarchisten und Gestalttherapeuten Paul Goodman. Auch Lesern, die mit dessen Denken bisher nicht vertraut sind, ist dieses Kapitel als Einstieg zu empfehlen. „Enteignung oder Aneignung“ ist eine Auseinandersetzung mit dem linken Anarchisten Peter Kropotkin und dessen widersprüchlicher Einstellung zum Eigentum. Blankertz zeigt, dass Kropotkin, der die Utopie einer nicht nur herrschafts-, sondern auch eigentumslosen Idealgesellschaft entwirft, doch mehrmals anerkennen muss, dass mit dem Eigentum auch die Freiheit aufgegeben wird. Das Kapitel „Subversiver Kapitalismus“ beginnt mit einer Skizze von Leben und Werk Murray Rothbards, des „Vaters der libertären Bewegung“. Als libertäre Perspektive erörtert Blankertz das Konzept der „segmentären Opposition“ des Soziologen Christian Sigrist. „Minimalinvasiv“ ist eine anregende Sammlung kritisch-freiheitlicher Gedanken. Über gelegentliche sprachliche Schwächen lässt sich hinwegsehen. Typisch für Blankertz ist der subjektive Stil. Blankertz erinnert den Leser stets daran, dass es immer nur seine, Blankertz’, Sicht und Gewichtung ist, an die der Leser herangeführt wird mit der Absicht, ihn zum eigenen Weiterdenken anzuregen.


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Ulrich Wille

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