01. August 2016

RezensionSonia Laszlo: Fuck Happiness

Von der Tyrannei des Glücks

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Der etwas irreführende Titel soll darauf hindeuten, dass hier etwas anderes geboten wird als in der herkömmlichen, massenhaft vorhandenen „Glücksliteratur“. Keine Anleitung zum Glücklichsein, kein Leitfaden mit einem erprobten „Weg zum Glück in soundsoviel Schritten“. Die Autorin, Kommunikationswissenschaftlerin und Tochter eines Glücksforschers, geht vielmehr der Frage nach, was dem persönlichen Glück im Wege stehen kann. Das schon in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung jedermann zuerkannte Recht auf Streben nach Glück („the pursuit of happiness“) bedeutet etwas völlig anderes als ein „Recht auf Glück“. Der Weg dahin indes sieht für jedermann anders aus. „Das Glück ist ein Vogerl“, heißt es im Wienerlied, was bedeutet, dass es sich dabei um ein recht flatterhaftes Wesen handelt. Die Autorin definiert es gleich mehrmals als Prozess, nicht als (am Ende gar dauerhaften) Zustand. Glück hat, wer es wagt, einen Prozess zuzulassen, zu vertrauen und Risiken einzugehen. Kurz – man muss dem Glück einfach die Chance geben, einzutreten. Wer nichts dergleichen tut, riskiert zwar nichts, wird dafür aber das Glück vermutlich niemals kennenlernen. Eine unabdingbare Voraussetzung zum Glücklichsein ist die Freiheit der Wahl. Wer stets fremdbestimmt handelt, wer niemals selbst sein Glück versuchen kann (mit allen damit verbundenen Risiken), der wird es niemals erleben. Damit ist klar, dass zum Empfinden von Glück auch die Kenntnis des Gegenteils gehört: Wahres Glück kann nur empfinden, wer auch das Unglück kennt. Die aufgebotene Fülle von Zitaten aus dem Munde von Gelehrten, Politikern und Künstlern wirkt etwas bemüht und als Versuch, die 250 Seiten auf intelligente Weise zu füllen, da die eigenen Gedanken zum Thema dafür möglicherweise nicht ganz ausreichen. Fazit: Das Buch bietet eine kurzweilige Lektüre, die am Ende mit folgender Erkenntnis aufwartet: Wir müssen „die Möglichkeit des Unglücks in Kauf nehmen, um zum Glück zu gelangen“.


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