01. August 2016

RezensionStefan Blankertz: Miriamslied

Roman

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ef-Redaktionsbeirat Stefan Blankertz hat sein, nach eigenen Worten, „Sorgenkind“, den erstmals 2008 erschienenen Roman „Miriamslied“ „stilistisch noch mal durchgeknetet“. Köln, in einer unbestimmten Zukunft: Ratten, Metten (Mischwesen aus Menschen und Ratten) und Rotten (Mischwesen aus Robotern und Ratten) treffen sich im Kölner Dom, um das Miriamsfest zu feiern. Im Mittelpunkt steht Kordula die Mette, die Tochter der heiligen Miriam. Im Rückblick erfährt der Leser nun die „Miriamslegende“: Miriam ist eine Biologin, die Experimente mit Ratten und Drogen macht, wodurch in Köln eine Pest ausbricht. Außerdem ist sie aber die Bewährungshelferin des Hunnenkönigs Attila, der auf die Erde zurückgeschickt wurde, um seinen Kampf mit der heiligen Ursula um deren Unschuld wieder aufzunehmen. Attila ist jetzt ein Computervirus und Ursula eine Ratte, die Gefährtin von Kordula der Mette, deren Vater Lufred ist, der Onkel von Miriam und außerdem Erzbischof von Köln, der Kordula im Geheimen aufgezogen hat. Und dann ist da noch Siegfried, Miriams Ex-Mann mit Hoffnung auf das Oberbürgermeisteramt, und sein Sohn Hans, der der Geliebte von Kordula wird, und der Polizist Bernd Winkel, der unter dem Pantoffel seiner Frau steht, aber eigentlich Karriere als Künstler machen wollte. Blankertz’ „Sorgenkind“ sprüht nur so vor originellen Einfällen. Vielleicht zu sehr. Denn zu einer glaubwürdigen Charakterzeichnung der Protagonisten wird zwar angesetzt, allzu oft ertrinkt diese jedoch in „schrägen“ Handlungsverläufen. Blankertz’ Versuch, einigen Figuren durch eine bestimmte Sprachfärbung Kontur zu verleihen, gelingt nur teilweise. Grundmotiv von „Miriamslied“ ist die Möglichkeit von Toleranz zwischen sehr ungleichen Wesen, ein Thema, das den Autor auch in anderen Werken umtreibt. Sprachlich wird Blankertz seinen Ansprüchen nicht immer gerecht, der Versuch, eine sowohl groteske als auch nachdenklich stimmende Geschichte zu erzählen, ist jedoch gelungen.


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Ulrich Wille

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