29. Juli 2016

RezensionUdo Ulfkotte: Raus aus dem Euro

Rein in den Knast

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Der Titel des Buches mag reißerisch scheinen und die Forderung nach einem „Nürnberg 2.0“ für die Verantwortlichen ist ebendies zweifellos. Dennoch: Man kann Udo Ulfkotte nicht zu viel dafür danken, sich der zeithistorischen Fleißaufgabe gewidmet zu haben, historische und aktuelle Stellungnahmen zum Euro zu dokumentieren. Die Propaganda zur Euro-Einführung, ihre maßgeblichen Akteure und die spätestens aus heutiger Sicht haarsträubenden Fehleinschätzungen über die Bedeutung und die Erfolgsaussicht des Währungsprojekts werden bestens lesbar zusammengefasst. Nicht nur die Beteuerungen der Hauptakteure Kohl und Waigel, der Euro werde „hart wie die D-Mark“, sondern insbesondere die Bekundungen engagierter Prominenter wie Berti Vogts, der Euro sei ein „Steilpass ins nächste Jahrtausend“, lesen sich aus heutiger Sicht wie die skurrilste Politsatire. Auch Leser, die im Thema stecken, und die mit den geläufigeren Namen der weitsichtigen Mahner vor dem Gemeinschaftsprojekt vertraut sind, werden bei Ulfkotte fraglos weitere Informationen finden. Wer seinerzeit wissenschaftlich fundiert vor dem Wahnsinn namens Euro warnte, der wurde fortan totgeschwiegen. Wer in den Gesang für seine Verwirklichung einstimmte, der fand sich bald in interessanten Ämtern und Würden. Ulfkotte hat es nicht nur bei einem nur eigenen dokumentierenden Blick auf die Abläufe belassen. Er hat – gleichsam interaktiv – die prominentesten Köpfe der Debatte nochmals aktuell befragt und lässt sie in ihrem Originalwortlaut sprechen. So wird das Buch zugleich auch zu einem Lehrstück darüber, dass und wie typischerweise die Macht, nicht aber die Wahrheit Menschen regiert. Während der Nachrichtensprecher Ulrich Wickert heute rückblickend in Scham und Demut im Boden versinken müsste, dürfen sich die Aufrechten in den Worten des britischen Außenministers bestätigt sehen. Der Londoner Chefdiplomat benennt den Euro inzwischen ganz offen als kollektiven Wahnsinn.


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