29. Juli 2016

RezensionHubert-Ralph Schmitt: Liebet Eure Banker!

Denn Ihr werdet sie noch brauchen

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„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ frohlockt Mackie Messer in Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“. Die ihm durch seinen Schöpfer in den Mund gelegten Worte dürften damit die aktuelle Grundstimmung der finanzkrisengebeutelten Bevölkerungen widerspiegeln; bestenfalls Politiker vermögen es, auf der nach unten offenen Unbeliebtheitsskala den Bankern das Wasser zu reichen. Hubert-Ralph Schmitt, Mitinhaber des privat geführten Bankhauses Schilling, hat mit der vorliegenden Streitschrift zum publizistischen Gegenschlag ausgeholt. In klaren Worten stellt er das historisch durch Hassliebe geprägte Verhältnis zwischen Kunde und Bank auf das ökonomische Fundament nüchterner Funktionalität. Demnach sind Banken als einzige volkswirtschaftliche Institutionen in der Lage, die für Prosperität unverzichtbaren Funktionen der Fristentransformationen und Leistungskonservierung wahrzunehmen. Beides beinhaltet jedoch zwingend und beiderseitig das Streben nach Mehrwert. Doch nur allzu oft erschöpfen sich Wissen und Wunsch des Anlegers allein in der Erkenntnis, Geld verdienen zu wollen. Schon die banale Erkenntnis, dass sich jeder Geldanleger zwangsläufig als Eigen- beziehungsweise Fremdkapitalgeber, im Kern also selbst als (Investment-) Bank betätigt und über beide Kapitalformen Unternehmen und Staaten finanziert, wird konsequent ausgeblendet. Als Folge dieser unbewussten Inkompetenz wurde kaum ein Produktbereich so reguliert wie derjenige der Kapitalanlagen. Ihre Anbieter sollen Psychologen, Sinndeuter, Detektive, Emotionsforscher, Juristen und Verkäufer zugleich sein, während die Mündigkeit der Anleger durch eine regelrechte Klageindustrie untergraben wird. Seine betont sachlich und ausgewogen gehaltene Analyse schließt Schmitt für beide Seiten mit einer konkreten, komplexitätsreduzierenden Empfehlung: Ein Produkt, das man innerhalb von drei Minuten nicht versteht, sollte man nicht (ver-) kaufen.

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