02. Juli 2016

„Flüchtlingsfressen“ am Gorki-Theater Ein Ruch-loser Rohrkrepierer

Schmierenkomödie von Luxuskindern

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Bildquelle: shutterstock Kommen nicht aus Syrien: Tiger und Künstlerin

Am Dienstagabend sollte das lange angekündigte „kommentierte Fressen“ einer angeblichen Flüchtlingsfrau, in Wahrheit eine Schauspielerin, die seit fünf Jahren in Deutschland lebt und guten Anschluss an die linksintellektuelle Schickeria gefunden hat, stattfinden.

Die libyschen Tiger, die zwei Wochen unter Missachtung aller Tierhaltungsregeln, die Zirkusdirektoren bei Androhung drakonischer Strafen einhalten müssen, zur Schau gestellt worden waren, konnten sich auf das Ende ihres Martyriums freuen. Wenn sie eine Stimme hätten, würden sie das Publikum darüber aufklären, dass sie keine libyschen Tiger sind. Mit der Wahrheit nehmen es die Initiatoren der Schmierenkomödie „Flüchtlinge fressen“ ohnehin nicht genau. Wenn es der Absicht dient, muss man lügen, scheint das Motto zu sein. Der zentrale politische Blödling, Philipp Ruch, ließ den Hinweis eines Zuschauers: „In Libyen gibt es keine Tiger, die gibt es nur in Asien“, unbeantwortet, was viel über sein Verhältnis zur Realität aussagt.

Es gab am Dienstag einige hundert Schaulustige, vor allem Presse, der Rest linkes Jungvolk. Ein Countdown lief. Filme über ertrinkende und leidende Flüchtlinge wurden gezeigt und wild klingende Texte verlesen, die klar machten, dass die Aktion eine Erpressung der Regierung sein sollte, die Angehörigen von bereits nach Deutschland geflohenen Syrern gefahrlos mit dem Flugzeug nach Deutschland zu holen. Die Masse des Publikums wartete zusehends genervt darauf, dass es endlich losging. Am Ende des Countdowns – man fieberte förmlich der blutigen Fressorgie entgegen – wurde der Tigerkäfig mit einer schwarzen Tafel abgedeckt. Die Zuschauer wurden vor den Theatereingang umgeleitet. Da erhob sich bereits vereinzeltes Murren.

Vor dem Theater gab es einen peinlichen Auftritt der syrisch-libanesischen Schauspielerin, die nun unter vielen Tränen auf Arabisch und mit Übersetzerin erklärte, warum sie sich entgegen der Ankündigung nun doch nicht von den Tigern fressen lassen will; sie wolle dem Publikum die grausigen Bilder ersparen. Die Junglinken hatten längst das Interesse verloren und sich ihren Handys zugewandt. Während das verhinderte Fress-Opfer vorne schluchzte, wurden die Gespräche immer lauter. Vereinzelt kamen Rufe auf, dass man sein Geld zurückhaben wolle.

Als sie zum Schluss barmte, sie habe „versagt“ und übergebe deshalb ihre Rolle als den Tigern zu opfernder Mensch an das Publikum, lehnte letzteres diese Ehrenbezeugung ab. Niemand meldete sich. Die angeblich vorhandenen Ersatz-Märtyrer hatten es offensichtlich vorgezogen, bei dieser Frage nicht vor Ort zu sein.

Das Zentrum für politische Blödheit war da, zog es aber vor, nicht mit Redebeiträgen aufzutreten, sondern im Garten des Theaters an Flüchtlinge, deren Verwandte mit dem Flugzeug kommen sollten, zu einer „Diskussion“ zu übergeben. Dabei beklagte einer, dessen Familie wegen der Absage von Air Berlin nicht nach Deutschland fliegen konnte, dass er nicht zur Hochzeit seiner Tochter nach Syrien kann. Was nun? Ist die Situation in Syrien etwa nicht so dramatisch, dass man als glücklich der Hölle Entkommener den innigen Wunsch haben kann, wieder hinzureisen, um der Hochzeit seiner Tochter beizuwohnen?

Inzwischen hatte sich das verhinderte Fressopfer so weit von ihrer tränenreichen Posse erholt, dass sie lachend und scherzend mit Intendantin Shermin Langhoff plaudern konnte. Spätestens an dieser Stelle sollte dem Letzten klar geworden sein, dass es gar nicht um die Situation der Flüchtlinge ging, sondern um eine PR-Aktion für Ruch und Co. Ein Rohrkrepierer war die Sache auch deshalb, weil die angekündigte Landung des von Air Berlin gecharterten Flugzeugs nicht stattfand. Nachdem der Fluggesellschaft klargeworden war, dass sie von den Initiatoren belogen worden ist, weigerte sie sich, den Flug durchzuführen. Bravo, Air Berlin!

Zum Schluss bleibt die Frage, was dieser Unfug gekostet hat, und vor allem, wer es bezahlt hat. Im „Impressum“ tauchten drei Organisationen auf: Das Zentrum für politische Schönheit, eine Guerilla Foundation Act.Affect.Change, die Rudolf-Augstein-Stiftung und das Gorki-Theater. Interessant wäre, offenzulegen, wer als Kooperationspartner das Zentrum für politische Schönheit finanziert. Der Verdacht besteht, dass die medienwirksame versuchte Erpressung des Rechtsstaates zu beträchtlichen Teilen aus Steuermitteln bezahlt wurde. Es scheint so zu sein, dass, wenn man nur laut genug behauptet, sich für notleidende Flüchtlinge einzusetzen, kaum jemand wagt, genauer hinzusehen.

Ruch und Co haben ein Stück à la „Des Kaisers neue Kleider“ aufgeführt, aber es war niemand da, der rief : „Der Ruch ist nackt!“. Dabei hätte die Scharade von Anfang an durchschaut werden können. Zu den abendlichen Diskussionen wurden mit einer Ausnahme nur Befürworter eingeladen. Als dann doch ein Gegner auf das Podium gebeten wurde, war das offensichtlich nur, um ihn zu diskreditieren. Herr Ruch stand auf und brüllte in den Saal, dass der Diskutant eine rechtsradikale Mutter habe. Das ging selbst dem dezidiert linken Publikum zu weit. Ruch musste sich wieder setzen und sich anhören, dass es so nicht gehe. Zu offensichtlich war, dass, wer so agiert, nicht an Diskussion interessiert ist, sondern am Meinungsmonopol, das mit allen Mitteln aufrechterhalten werden soll. Um von Ruch als rechtsradikal diffamiert zu werden, reicht es schon, wenn man sich gegen die Instrumentalisierung des Flüchtlingselends für PR-Zwecke ausspricht. Mit Demokratie hat das nichts zu tun.

Da das Millionärssöhnchen Jakob Augstein sich nun zum Finanzier der Aktionen von Ruch und Co aufgeschwungen hat, sind weitere teure Inszenierungen zu erwarten. Das Zentrum hat sein Ziel, mit allen Mitteln Medienaufmerksamkeit zu bekommen, erreicht. Es spielt keine Rolle, dass die hehren Ziele, die man anzustreben vorgab, alle nicht erreicht worden sind. Die waren, wie das Flüchtlings-Fressen, nur Vehikel, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Was sich in Berlin abgespielt hat, war eine ruchlose Inszenierung, die nichts mit Kunst, nicht mal mit Missbrauch von Kunst zu tun hatte, sondern eine Schmierenkomödie, aufgeführt von verwöhnten Luxuskindern, die nie zur Kenntnis nehmen mussten, dass die Welt keine Spielwiese ist. Während sie sich in Berlin produzierten, jagten sich in Istanbul drei Selbstmordattentäter in die Luft. Das ist die reale Welt, die von Ruch und seinen Gespielen ignoriert wird, weil Demokratie und Rechtsstaat sie schützen. Noch.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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