30. Juni 2016

RezensionJim Rogers: Die Wall Street ist auch nur eine Straße

Lektionen eines Investment-Rebellen

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Alan Greenspan? Ein „mittelmäßiger Ökonom von der Wall Street, der sich ständig um eine Anstellung beim Staat bemühte“, stets kurzfristig dachte und panisch agierte. Ben Bernanke? Sein Nachfolger und noch ahnungsloserer Jasager. Timothy Geithner? Ein „kleiner, einfacher Waschlappen“, ein „Speichellecker“ und „Schwächling“, der „nicht einmal seine eigene Einkommenssteuererklärung erstellen konnte.“ Fast könnte man Jim Rogers ob seines vernichtenden Urteils über die bedeutendsten Heißdüsen unter dem Papiergeldballon groben Undank unterstellen. Immerhin geht ein nicht unbeträchtlicher Teil seines Vermögens und damit sein Nimbus als Investmentlegende auf kühl kalkuliertes Politikversagen zurück, denn, so eine wesentliche Erkenntnis seiner knapp 50-jährigen Börsenerfahrung, „auf die Inkompetenz von Politikern und Bürokraten kann man sich immer verlassen.“ Nicht nur polemische Spitzen dieses Zuschnitts machen die Biographie des legendären Hedgefondsmanagers für jeden ökonomisch interessierten Zeitgenossen durchweg lesenswert. Geschickt versteht es Rogers, seinen individuellen Werdegang ausgehend von der amerikanischen Provinz über Yale, Oxford, New York bis Singapur, wo er sich aktuell späten Vaterfreuden leidenschaftlich hingibt, mit persönlichen Börsenweisheiten sowie Analysen zur Wirtschafts- und Finanzgeschichte zu koppeln. Nur allzu gerne betätigt er sich dabei als kreativer Zerstörer althergebrachter Investmentregeln, zum Beispiel der Portfoliodiversifikation, oder modischer Anlagetrends, zum Beispiel Investitionen in die „aufstrebenden“ BRIC-Staaten. Einzig das bisweilen überbordende Ego des Autors schmälert punktuell die Lesefreude. Als einem der wenigen Investoren, die jemals mit einem Publikumsfonds über 4.000 Prozent Rendite in zehn Jahren erzielen konnten – zusammen mit seinem damaligen Partner George Soros, über den Jim Rogers auch wenig Schmeichelhaftes zu berichten weiß –, seien ihm diese Eitelkeiten zugestanden.


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