30. Juni 2016

RezensionFrank W. Haubold: Abgesang

Notizen über ein krankes Land

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Die Implosion des durchweg abgewirtschafteten real existierenden Sozialismus der östlichen Hemisphäre brachte so manche in Erfolgsbesoffenheit getränkte Prognose hervor. Unvergessen bleibt das 1992 vom US-amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama proklamierte „Ende der Geschichte“. Massive Zweifel am Freifahrtschein für den Siegeswagen des bürgerlichen Liberalismus hatte bereits ein Jahr zuvor Roland Baader angemeldet. „In Wirklichkeit wird nur der Kopf einer falsch verstandenen Freiheit auf den alten Rumpf der Knechtschaft transplantiert“, schrieb der 2012 verstorbene  Freiheitsdenker in seinem Klassiker „Kreide für den Wolf“. Der „Illusion vom besiegten Sozialismus“ spürt im vorliegenden Band auch ef-Autor Frank W. Haubold nach – zumal ihm der „alte Rumpf der Knechtschaft“ wohl bestens vertraut ist. 1955 in Frankenberg (Sachsen) geboren, erlebte er hautnah den Aufstieg sowie Fall des größten Volksgefängnisses auf deutschem Boden und erlag schließlich auch dem euphorischen Sog in Folge der mit der Wiedervereinigung verbundenen (Freiheits-) Illusionen. „Heute weiß ich, wie naiv diese Vorstellungen waren und wie trügerisch unsere Hoffnungen, denn die Axt war längst an die Wurzel gelegt“, schreibt er 20 Jahre nach Beginn dieser neuen Ära. Sein „Abgesang“ enthält 27 kurze „Notizen über ein krankes Land“, tagebuchartig verfasste Aufsätze zum Zeitgeschehen aus den Jahren 2009 bis 2012. Thematisch pendelt der mehrfach preisgekrönte Science-Fiction-Autor zwischen strammen SED-Genossen, multikulturellen Scheinwelten und immer wieder der ehemaligen FDJ-Sekretärin und heutigen Bundeskanzlerin. Seine pointierten Beiträge entlang des bundesrepublikanischen Politboulevards zeichnen das Bild eines Niedergangs, den selbst dereinst Roland Baaders Warnung an die „sieben Geißlein“ nicht aufzuhalten vermochte.


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