22. Juni 2016

RezensionMarc Friedrich/Matthias Weik: Der größte Raubzug der Geschichte

Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden

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Es ist einer der fulminantesten Siegeszüge eines Wirtschaftssachbuchs in den letzten Jahrzehnten; sehr zur Freude des kleinen Tectum-Verlages. Mit einer Erstauflage von gerade 1.000 Stück im Sommer 2012 gestartet, verkaufte sich die knapp 400-seitige Monographie und Erstling zweier Finanzmarktspezialisten aus dem Stand zehntausendfach, hielt sich jeweils ein Jahr in den Bestsellerlisten von „Manager-Magazin“ und „Spiegel“. Dank der so gewonnenen Popularität wird das Autorenduo seither von Interview zu Vortrag und vice versa gereicht. Was ist das Erfolgsgeheimnis des ob seines Umfangs sprichwörtlichen Wälzers, dem nicht nur der „Smart Investor“ attestiert, „thematisch sehr spannend, faktenreich und absolut lesenswert“ zu sein? Nun, Weik und Friedrich haben sich nicht nur als veritable Bestseller-, sondern auch nonchalante Bestteller-Autoren entpuppt. Wohl keine Publikation hat die Schöpfung und Vernichtung von „Stupid Money“ im Zuge des dem symbiotischen Verbunds aus Big Government und Big Banking inhärenten Machbarkeits- und Gestaltungswahns derart tragikomisch inszeniert. Dazu tragen erheblich knapp 900 Quellenverweise bei, die sich ganz überwiegend aus der zeitgenössischen Tages- beziehungsweise Fachpresse speisen und somit die monetäre Achterbahnfahrt des letzten Jahrzehnts in ihrer ganzen Absurdität ebenso lebendig wie detailliert zu rekonstruieren vermögen. Allein um das Wissen um kreditunwürdige Triple-A-Schuldner, Multimilliarden versenkende Möchtegernkanzler und (Landes-) Bankenlobbyisten sowie ministerielle Ziehkinder, die als Kontrolleure und Handelnde (IKB, KfW, BaFin) sowohl eine Krise auslösen als auch als Retter (BFM, SoFFin) zugleich bekämpfen dürfen, um sich damit als Direktor der EZB zu qualifizieren, auch für kommende Generationen zu konservieren, lohnt der Kauf dieses Buches. Allein dem Superlativ im Titel könnte angesichts der im jüngsten IWF-Staatsschuldenbericht – rein theoretisch – durchgespielten Vermögensabgabe die baldige Entthronung drohen.


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