21. Juni 2016

RezensionKarlheinz Weißmann: Gegenaufklärung

Gedankensplitter, Notate

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Wer heute konservative Gesellschaftskritik übt und dabei nicht nur an der Oberfläche verharren will, der wird früher oder später auf Karlheinz Weißmann aufmerksam werden. Der Historiker, Gymnasiallehrer und „bedeutendste konservative Denker der Gegenwart“ (Wolfgang Fenske) präsentiert in diesem Buch 60 Kolumnen, die er in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ publizierte. In loser Abfolge werden verschiedenste tagespolitische und grundsätzliche Fragen scharfsinnig erörtert, vom Verfall der Bildung über Familienpolitik bis zur Hysterie des „Kampf gegen rechts“. Letztere gibt es nicht erst seit „68“, wie das Buch wieder einmal lehrt, sondern sie ist eine Folge von alliiertem Einfluss nach 1945: „1960 ließ der Rektor der Mittelschule im holsteinischen Lauenburg einen 16-jährigen Schüler durch die Polizei festnehmen, weil der in der Toilette ein Hakenkreuz an die Wand gemalt hatte. Der Vorwurf lautete: ‚Staatsgefährdung’. Immerhin fand das die Regionalpresse empörend und sah sich an Zustände wie in der DDR erinnert.“ Die Lektüre von „Gegenaufklärung“ ist indessen nicht nur anregend und fesselnd, sondern bietet auch Anlass zum Schmunzeln, etwa über Analysen wie: „Auf die Gefahr hin, sofort mit zahllosen wissenschaftlichen Nachweisen der medizinischen Notwendigkeit von Flüssigkeitszufuhr konfrontiert zu werden: die Allgegenwart von Menschen jedes Geschlechts, jeder Klasse, jeder Altersgruppe, die Plastikflaschen bei sich führen, um fallweise an ihnen zu saugen, hat etwas Infantiles.“ Oder: „Zu den irritierenden Erscheinungen gehören Konservative mit missratenen Kindern und Linke mit geratenen. Aber die Lösung des Rätsels liegt auf der Hand: Im einen wie im anderen Fall hat man sich nicht an seine Maximen gehalten.“ Es beruhigt, wenn das Buch immer wieder zeigt, wie alt die vermeintlich „neuen“ Erscheinungen der gesellschaftlichen Degeneration in Wirklichkeit sind. Der Mensch bleibt eben immer gleich, weshalb auch der Konservatismus nicht totzukriegen ist.


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