20. Juni 2016

RezensionEdgar L. Gärtner: Öko-Nihilismus 2012

Selbstmord in Grün

Artikelbild

„Nihilist zu sein“, schreibt der Wissenschaftsjournalist Edgar Gärtner in seinem Buch „Öko-Nihilismus 2012“, „bedeutet nach Albert Camus nicht, an nichts zu glauben, sondern nicht an das zu glauben, was ist“. Dieser Definition folgend erklärt Gärtner, warum er an der religiös gewendeten Ökologie nihilistische Züge erkennt, die sogar zu einer Gefahr für die Demokratie zu werden drohen. Denn wie die Geschichte zeige, so schreibt Gärtner, leugnen alle Formen historischer Heilsgewissheit stets das, was nicht in ihr Schema passt, und oftmals machten ihre Vertreter selbst vor der physischen Eliminierung ihrer Gegner nicht halt. Auch wenn letzteres noch nicht zu den bevorzugten Mitteln der politisierten Ökologie gehört, ist ihre diktatorische Tendenz doch nicht zu bestreiten. Dabei erschüttert kaum ein anderes Argument die sie legitimierende Theorie vom anthropogenen Klimakollaps so nachhaltig wie die Tatsache, dass der Anteil des vom Menschen produzierten Kohlendioxids in der Atmosphäre lediglich drei bis fünf Prozent beträgt. Die restlichen über 95 Prozent entstehen auf natürliche Weise ohne jegliches Zutun des Menschen. Diese Tatsache allein sollte bereits genügen, um zu verdeutlichen, wie abwegig die offizielle Behauptung einer drohenden anthropogenen Klimakatastrophe ist. Doch Gärtner zählt in seinem Buch noch weitere interessante Fakten auf, die klar und nachvollziehbar zeigen, auf welch dünnem theoretischem Fundament die internationale Klimapolitik aufbaut. Fazit: „Damit kann die Frage nach dem Sinn oder Unsinn der 1992 auf der Rio-Konferenz aus der Taufe gehobenen globalen ‚Klimapolitik‘ als klar beantwortet gelten: Das dort zur wichtigsten Herausforderung der Menschheit hochstilisierte Kohlendioxid kann nicht die treibende Kraft der Klimaentwicklung sein. Die Menschen können das Konstrukt ‚Weltklima‘ nicht ‚schützen‘.“ Leider kommen redliche Naturwissenschaftler in den Massenmedien und in der öffentlichen Diskussion nicht zu Wort, denn in der Klimapolitik geht es, wie Gärtners Buch deutlich macht, ausdrücklich nicht um die politische Bewältigung objektiv vorhandener naturwissenschaftlicher Probleme oder daraus resultierender Bedrohungen. Stattdessen werden in betrügerischer Absicht naturwissenschaftlich anmutende Theoriegebilde zurechtgelogen, um damit eine Rechtfertigung für den grün-ideologisch gewollten Wandel des politischen Meinungsklimas zu liefern. Hinter dieser „postnormalen“ Wissenschaft verbergen sich Individuen, die zwar genug Sachverstand besitzen, ihre Ideologie mit einer pseudonaturwissenschaftlichen Tarnung zu versehen, die aber in erster Linie Ideologen sind und nicht mit redlichen Naturwissenschaftlern oder Forschern im herkömmlichen Sinn verwechselt werden dürfen. Sie orientieren sich an neuen Leitbildern wie „Vorsorge“, „Klimaschutz“ und „ökologischer Nachhaltigkeit“ oder auch an „sozialer Gerechtigkeit“. Das heißt, in der politisierten Ökologie unserer Tage bestimmt allein der politische Zweck das Ergebnis der Forschung. Vor diesem Hintergrund ist leicht zu erkennen, dass jede Form „gesellschaftsrelevanter“ oder „postnormaler“ Wissenschaft nur eine neue Spielart des Marxismus darstellt. Sie ist nichts weiter als eine neue grüne Verkleidung für den historisch diskreditierten roten Klassenkampf. Der 1992 begonnene Rio-Prozess, zu dem auch die Agenda 21 und die Klimarahmenkonvention gehören, läuft, wie Gärtner verdeutlicht, letztlich darauf hinaus, jeder Nation präzise bezifferte Ziele eines globalen Ressourcenmanagements vorzugeben. Nach Gärtners Ansicht „liest sich die nur ein Jahr nach dem (endgültigen?) Zusammenbruch des Sozialismus verfasste Agenda 21 streckenweise wie ein sozialistisches Umerziehungsprogramm“. Insgesamt ist das ein sehr lesenswertes und informatives Buch, wenn es auch einen falschen Titel trägt. Es sollte besser „Öko-Kommunismus 2012 – Mord in Rot“ heißen, um die Herkunft und das Wesen der politisierten Ökologie richtig zu identifizieren. Leider ist es den Kommunisten gelungen, die Bourgeoisie mit dem grünen Spuk einzuschläfern. Sie sollte aufgeweckt werden.


„Edgar L. Gärtner: Öko-Nihilismus 2012 – Selbstmord in Grün“ bei amazon.de kaufen


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

Dossier: Literatur

Autor

Torsten Mann

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige