17. Juni 2016

RezensionMalte Buhse: Ökonomen retten die Welt

Wie Volkswirte Verbrecher jagen, den Klimawandel bekämpfen und Leben retten

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Zusammen mit den seit 2007 kollabierenden Geldinstituten bröckelten auch Ruf und Prestige der Wirtschaftswissenschaftler, um sich seither spiegelverkehrt zu den Staatsschuldenquoten der Ersten Welt weiterzuentwickeln. Angesichts der das öffentliche Bild der Ökonomenzunft dominierenden Leuchttürme vom Schlage eines Ben „Helikopter“ Bernanke und Mario „Bazooka“ Draghi kann eine baldige Trendumkehr mit einem großen Fragezeichen versehen werden. Umso lobenswerter, dass sich mit Jungautor Malte Buhse ein Ökonom aus Passion zum Ziel gesetzt hat, publizistisch eine Lanze für die „Königsdisziplin der Sozialwissenschaften“ (Gary Becker) zu brechen. In seinem Erstling porträtiert Buhse daher auch weitgehend unbekannte „Helden-Ökonomen“, junge Pragmatiker, die auf Basis verhaltensökonomischer Modelle gepaart mit einem mathematisch-statistischen Instrumentarium Lösungsansätze für konkrete Probleme zu ermitteln versuchen. Als herausragender Vertreter dieser Spezies sticht hierbei Alvin Roth hervor, dem es in den USA mit einem System zur Verteilung von Spenderorganen via zeitgleichem Dreiecktausch gelang, einen Hauch von Markt in diesem hochsensiblen Segment zu installieren, wofür er 2012 mit dem Wirtschaftsnobelpreis gekürt wurde. Weitere aktuelle Forschungsansätze führen den Leser durch den indonesischen Regenwald, indische Dörfer, russische Wahllokale, mexikanische Schmugglerstädte und chinesische Zollstationen. Der Fokus des handwerklich sauber und inhaltlich spannend gestalteten Buchs liegt allerdings auf der „positiven“ Ökonomie, welche also lediglich die Effizienz einer Maßnahme hinsichtlich gegebener Ziele untersucht, ohne diese selbst zu hinterfragen. Ob die Aufdeckung von Drogentransportrouten, die Optimierung der Zollabfertigung oder das Marktdesign des Kohlendioxidhandels tatsächlich dem Heldenanspruch gerecht werden, das Leben der Menschen zu verbessern, ist mindestens so zweifelhaft wie Bernankes und Draghis Beitrag zur Währungsstabilität.


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