15. Juni 2016

RezensionMartina Leibovici-Mühlberger: Warum wir nicht auf die nächste Generation zählen können

Wenn die Tyrannenkinder erwachsen werden

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Martina Leibovici-Mühlberger ist eine international anerkannte und auch umstrittene Ärztin sowie Unternehmerin, deren Vita sich liest wie der feuchte Traum aller Gleichstellungsbeauftragten. Das Problem dabei: Sie ist zutiefst in den ehrwürdigen europäischen Traditionen und Wertvorstellungen verwurzelt und scheut sich nicht, für diese einzutreten. Im vorliegenden Buch skizziert sie anhand einiger beruflicher Fallbeispiele, ihrer fachlichen Kompetenz und einem unüblichen Maß an gesundem Menschenverstand die gesellschaftliche und pädagogische Katastrophe, die uns allen droht. Mit klarer Kante und ohne Rücksicht auf Verluste präsentiert sie uns die Rechnung einer konsumverherrlichenden und zutiefst zerrissenen Gesellschaft. Sie macht deutlich, wie sehr unsere Jugend betrogen wird, und schlimmer noch: Die Kinder merken es auch noch. Mancher Fall mag überspitzt erscheinen. Mancher gar phantastisch anmuten. Aber wer je mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet hat oder selbst Kinder in öffentliche Einrichtungen schicken muss, weiß, wovon die Autorin spricht. Die einzige natürliche Ressource, die Deutschland noch hat, unsere Kinder, wird zerrieben zwischen Anspruch, Wirklichkeit und ideologisierten Bildungsplänen. Der Grund für die drastische Darstellung mag in der praktischen Erfahrung der Autorin zu suchen sein. Doch ist jedes der Beispiele ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft. Sie fordert die Verantwortung jedes einzelnen, bei Bildung und Erziehung der eigenen Kinder. Dabei sehnt sie sich nicht in konservativer Manier zurück in die „gute alte Zeit“. Sie fordert nur die selbstverständlichsten und einfachsten Dinge des täglichen Lebens ein. Der einzige Wermutstropfen ist die abschließende Forderung nach einem Kinderministerium. Wer das Buch aufmerksam gelesen hat, dem dürfte die Forderung nach mehr institutioneller Betreuung und Verwaltung einen kalten Schauer über den Rücken jagen.


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