13. Juni 2016

Grüne Jugend gegen Deutschlandfahnen bei der EM Zehn Vorschläge zur Bekämpfung patriotischer Exzesse

Da wird einem mulmig zumute

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Bildquelle: shutterstock Lächeln verboten: Grünkonforme Jubeltraube

Unter der Überschrift „Patriotismus, nein danke!“ widmet sich die Grüne Jugend auf ihrer Webseite der gestern eröffneten „Herrenfußball-Europameisterschaft in Frankreich“. (Ist Herrenfußball, Schwestern und Wunschmaiden, nicht ein Pleonasmus?) Sprecherin Emma Sammet erklärt dazu: „In den kommenden vier Wochen können sich viele Menschen wieder als stolze Patriot*innen zeigen.“ (Türken, Kroaten, Albaner, Brexiten und andere?) „Selbst viele, die die AfD verpönen, werden wieder ganz unverkrampft die Deutschlandfahne schwenken.“ (Ah, nein, nur Deutsche.) „Im Rahmen eines Sportturniers wird somit das nationale Kollektiv betont und von anderen Gruppen abgegrenzt.“ (Das fängt ja schon auf dem Spielfeld an!) „In Berlin wird Patriotismus und Nationalismus mit der Fanmeile und vielen Public Viewings besonders viel öffentlicher Raum geboten. Die Supermärkte sind voll mit Deutschland-Merchandise und die Straßen, Autos und Balkone voller Nationalfahnen. Da wird einem richtig mulmig zumute. Denn es kann kein Sommermärchen geben, wenn brennende Geflüchtetenunterkünfte die abscheuliche deutsche Realität darstellen.“ Und Ko-Sprecher Patrick Grünhag ergänzt: „Schon bei den vergangenen großen Fußball-Turnieren stieg die Anzahl fremdenfeindlicher Übergriffe nachweislich. Gerade in Zeiten von blankem Fremdenhass und aufkommendem Rechtspopulismus und vor der anstehenden Wahl im September müssen wir ein klares Zeichen gegen Patriotismus und Nationalismus setzen.“

Klar wird einem mulmig zumute, wenn fröhliche Rechtspopulisten für jedes deutsche Tor nachweislich feierliche Anschläge auf das nächstliegende Geflüchtetenheim planen (sofern gegnerische Fans unter den Insassen es nicht schon selber abgefackelt haben). Ich erlaube mir deshalb, jene Vorschläge leicht modifiziert zu wiederholen, die ich nach dem Sieg der deutschen Herrenfußballer bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren an die Adresse derselben zwecks schärfster Bekämpfung patriotischer Exzesse unterbreitet habe, und die, scheint‘s, aktueller denn je sind: Erstens: Deutsche Tore werden künftig nicht mehr bejubelt. Stattdessen begeben sich die Spieler gesenkten Kopfes und möglichst unauffällig zurück in ihre Hälfte.

Zweitens: Freudentrauben und ähnliche Kundgebungen fehlender Anteilnahme und Empathieferne sind verboten. TV-Moderatoren informieren nach deutschen Treffern das Publikum über die sozialen Probleme im Land des Konkurrenten.

Drittens: Nach einer gewonnenen Partie entschuldigt sich jeder deutsche Akteur bei seinem Gegenspieler. Interviews werden in einem dem Ernst der Lage angepassten Ton gegeben. Der Bundestrainer bittet auf der Pressekonferenz im Namen der Mannschaft die gegnerischen Anhänger um Vergebung.

Viertens: Nach jedem Sieg legt der Kapitän der deutschen Mannschaft außerdem im gegnerischen Strafraum einen Kranz nieder.

Fünftens: Fällt ein deutscher Sieg mit mehr als zwei Toren Unterschied aus, organisiert der DFB Soforthilfen für die Opfer und ihre Angehörigen. Die Mannschaft versteigert ihre Trikots und spendet die Einnahmen an die Kinder der Unterlegenen.

Sechstens: Hat sich die deutsche Nationalmannschaft für eine Welt- oder Europameisterschaft qualifiziert, durchläuft jeder Kicker ein Antidiskriminierungsprogramm. Findet das Turnier in einem von Deutschland früher einmal besetzten Land statt, haben die Spieler dort entweder in der Landessprache zu sprechen oder zu schweigen. Vor jedem Spiel haben die Spieler eine Gedenkstätte zu besuchen, die an deutsche Verbrechen (schon wieder ein Pleonasmus) erinnert. Ist noch keine vorhanden, legen sie zumindest den Grundstein; der DFB übernimmt die Kosten. 

Siebtens: Hat die deutsche Nationalmannschaft in einem Turnier das Viertelfinale erreicht, wird in allen TV- und Radiosendern jede zweite Stunde die Hymne des Gegners gespielt, im Halbfinale jede Stunde. Erreicht Deutschland das Finale, lernen die Schulkinder die Hymne des Endspielgegners auswendig. Boateng, Khedira und Özil singen die gegnerische Hymne im Stadion vor dem Spiel mit.

Achtens: Scheiden die Deutschen dagegen endlich aus, finden im gesamten Land multikulturelle Volksfeste statt, an denen teilzunehmen zumindest für sämtliche Schulklassen obligatorisch ist.

Neuntens: Nach einem gewonnenen Turnier bildet die Bevölkerung im gesamten Land Lichterketten der Solidarität mit den Geschlagenen. Auf öffentlichen Plätzen und in den evangelischen Kirchen werden die Namen der unterlegenen Spieler verlesen. Freudenkundgebungen sind untersagt. Die Damenquasifußballnationalmannschaft kann als Klagechor eingesetzt werden. Die deutschen Fahnen vor offiziellen staatlichen Einrichtungen sind entweder auf Halbmast zu setzen oder durch Fahnen der auf dem Weg ins Finale besiegten Länder zu ersetzen. Die Spieler haben bei der Heimkehr Trauerbinden an den Armen zu tragen. Die Siegesprämien werden an Bedürftige in den Ländern der geschlagenen Kontrahenten abgetreten.

Zehntens: Sollte die deutsche Mannschaft den Europameistertitel erringen, herrscht mindestens eine Woche Staatstrauer.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


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