20. Mai 2016

RezensionJens Schöne: Das sozialistische Dorf

Bodenreform und Kollektivierung in der Sowjetzone der DDR

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Da sich die proletarische Revolution nicht gegen den Willen der Bauern durchsetzen lässt, forderte Lenin, zuerst die Großbauern zugunsten der kleinen Bauern zu enteignen, um ihre Unterstützung zu sichern. Erst später solle die vollständige Enteignung folgen. Ähnlich lief es in den Nachkriegsjahren in Ostdeutschland ab. Die Bodenreform in der Besatzungszone rief dennoch enormen Widerstand hervor. Die Besatzungsmacht griff zu härteren Mitteln: Deportierungen, Kälte, Hunger und Krankheit waren Alltag in den Lagern. Strikt wurde dabei jeglicher Eindruck einer „Sowjetisierung“ vermieden. Bis spät in die 50er Jahre hinein nahm niemand das Wort „Sozialismus“ in den Mund. Nachdem die SED ab Mitte 1948 die Industrie verstaatlichte, befand sich die Landwirtschaft weiterhin im Privateigentum. Nur durch einen „entscheidenden, vernichtenden Schlag“ gegen die „kapitalistischen Elemente“ in den Dörfern würde der Sozialismus gesichert werden können. Das Mittel: der Klassenkampf. Die verbleibenden Großbauern wurden als Ausbeuter, Nazis und Kriegsverbrecher beschimpft. Die Schuldzuweisung der SED diente jedoch nur der Legitimation von Macht. Bis 1952 noch vehement als „Lügenparole“ abgetan, war der Schritt zur vollständigen Kollektivierung längst beschlossen. Es entbrannte ein „totaler sozialer Krieg“ der SED gegen die Bevölkerung. 1960 kehrten etwa 13.000 Familien der DDR den Rücken zu. Die Antwort war der Mauerbau ein Jahr später. Nach jahrelangen Engpässen gelang ein gewisser Aufschwung. Dieser wurde jedoch teuer erkauft. Produktionsgüter wurden nicht mehr erneuert, die Schulden wuchsen, Umweltverschmutzung nahm erhebliche Ausmaße an. Damit besiegelte die DDR ihren Untergang. Die Lektüre des Buches macht dem Leser deutlich, dass Diktatur und Sozialismus nicht zufällig einher gehen.


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