19. Mai 2016

RezensionMartin Gaedt: Mythos Fachkräftemangel

Was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewaltig schiefläuf

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Kein bräsig-selbstgefälliger Polittalk zum Zustand des Arbeitsmarkts, der ohne das legendäre F-Wort auskommt. In seltener Einmütigkeit und nachgerader Penetranz verbreiten Politiker, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften das Mantra einer sich durch Fachkräftemangel abzeichnenden Wirtschaftssklerose, die Deutschland an den Bettelstab zu bringen drohe. Doch was ein jeder für ausgemacht hält, verdient es bekanntlich, am meisten hinterfragt zu werden. Genau dies hat der umtriebige Unternehmer Martin Gaedt getan. Sein Fazit: Mit dem Fachkräftemangel ist es so wie mit der Inflationsrate. Die gefühlte hat mit der propagierten Wirklichkeit wenig zu tun. Was sich in der Tat geändert hat, ist das Bewerberverhalten. Nur die bekanntesten Arbeitgebermarken können aus dem Vollen schöpfen, die breite Masse bekommt doch tatsächlich nicht mehr die Wäschekörbe bis zum Anschlag mit Bewerbungen gefüllt. Das (Personal-) Management by Unox, die gnadenverheißende Vergabe sozialversicherungspflichtiger wie unbefristeter Vollzeitanstellungsverhältnisse nach alter Gutsherrenart, sie hat ausgedient. Die Trotz- und Opferhaltung der Realitätsverweigerer führt aber zu einem gigantischen „Mismatch“ am Arbeitsmarkt, einer enormen Un- und Fehlbesetzung zahlreicher Stellen, die einen großen volkswirtschaftlichen Schaden nach sich zieht und zum Ausbluten ganzer Regionen beiträgt. Hierbei „unterstützt“ die öffentliche Hand nach Kräften, vornehmlich in Form einer antiquierten Berufsberatung und natürlich eines konfiskatorischen Abgabensystems, was den keineswegs mythischen Braindrain forciert. Getreu seinem Lebensmotto „Don’t criticize – improve!“ belässt es Gaedt keineswegs bei seiner durchaus fundierten Bestandsaufnahme quantitätsorientierten Personalmanagements. Dass er unter anderem seine eigene, zugegebenermaßen pfiffige und zu Recht mit dem HR Excellence Award 2013 ausgezeichnete Geschäftsidee zur Nachahmung empfiehlt, macht seine Streitschrift auch für diejenigen lesenswert, die den vorherigen Befund nicht teilen.


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