18. Mai 2016

RezensionH.L. Mencken: Zur Verteidigung der Frau

Eine Warnung vor den Verheißungen der Gleichstellungseinklägerinnen

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Ein Frontbericht vom Krieg der Geschlechter – geschrieben vor dem Siegeszug des Feminismus. Kaum je wurde ein solcher Einsatz amüsanter betrieben als vom deutsch-amerikanischen Journalisten und begnadeten Essayisten Henry Louis („H.L.“) Mencken (1880-1956) in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. Mencken war ein Solitär, weshalb Zeitgenossen wie Rückblickende Schwierigkeiten hatten, ihn zu beschreiben. War er „libertär“ oder „elitär“ – oder beides? Kaum je hat einer so gelästert über alles, was in seiner Umgebung als heilig galt – von der Demokratie bis zur Monogamie. Mencken schien nichts sakrosankt zu sein, oder doch? Zwischen den Zeilen ist sein Büchlein über die Geschlechter (ersterschienen auf Deutsch 1923, jetzt wiederentdeckt durch Manuscriptum) eine Hommage an die Frau, die noch Frau war und Frau sein wollte. Männer sind vernünftiger und Frauen emotionaler? Unsinn – Mencken lesen! Männer werben und balzen um die Damen? Umgekehrt wird ein verführerischer High-Heel-Schuh daraus. Sofern ein Unikum wie Mencken überhaupt einen Nachfolger haben kann, heißt dieser in Deutschland Michael Klonovsky – der denn auch das Vorwort beisteuerte, auf dass von der ersten bis zur letzten Seite der Lesegenuss komplett wird. Libertär-elitär? Klonovsky nennt es „Scharfblick und Dünkel“. In einem möchte aber der Rezensent dem passionierten Kulturpessimisten Klonovsky widersprechen, der aus dem Buch einen „Gruß aus einer Zeit“ herausliest, „da man die Unterschiede noch zu schätzen wusste, in eine Zeit, wo man es, auf welche gesteigerte Art auch immer, wieder tun wird“. Der Autor dieser Zeilen ist nach der Lektüre vielmehr davon überzeugt, dass die Frauen und Männer auch „nach der Emanzipation“ weitgehend dieselben geblieben sind wie von Mencken beschrieben, man muss nur ein wenig an der Fassade kratzen und erkennt vieles überraschend klar wieder.


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