17. Mai 2016

RezensionLudwig von Mises: Die Letztbegründung der Ökonomik

Ein methodologischer Essay

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Rahim Taghizadegan ist es zu verdanken, dass die letzte Schrift Mises‘ nun auch in deutscher Sprache vorliegt. Wer mit dem Werk des Gelehrten vertraut ist, kennt seinen klaren Schreibstil. Beim vorliegenden Buch, das der Erkenntnistheorie und der „Österreichischen Methode“ gewidmet ist, fällt zudem die Leidenschaft auf, mit der der Text verfasst wurde. Mises geißelt die Widersprüche des empirisch-positivistischen Zugangs zur Erklärung menschlichen Handelns. Die Übertragung der naturwissenschaftlichen Methode von Beobachtung und Versuch auf die Sozialwissenschaften ist nicht möglich. Im Vorwort schreibt er, sein Essay sei „ein Kommentar darüber, was die Ökonomie selbst über ihre eigene Erkenntnistheorie sagt“. Er legt größten Wert auf exakte Begriffsbestimmungen und -abgrenzungen, die er mit der bekannten Strenge präsentiert. Ausgehend von Axiom des menschlichen Handelns, entwickelt Mises sein imponierendes Ideengebäude. Das Problem der von Karl Popper geforderten Möglichkeit zur Falsifizierung wissenschaftlicher Aussagen wird bei der Anwendung auf die Praxeologie deutlich: „Der Zweck, auf den sich die Wissenschaften vom menschlichen Handeln beziehen, liegt in den Zielen, die durch handelnde Menschen im Verfolgen ihrer eigenen Pläne angestrebt werden.“ Da aber die Ziele der Menschen sich unentwegt ändern, sind naturwissenschaftlich-physikalische Tests zwecks der Vorhersage künftiger Verhaltensmuster nicht möglich. Menschen sind eben keine Stahlzylinder, die man Zugversuchen unterwerfen kann, um Vorhersagen über ihre Bruchlast zu treffen. Doch Mises beschäftigt sich nicht allein mit der Erkenntnistheorie, sondern wartet auch mit praktischen Befunden wie diesem auf, wonach ohne die „Akkumulation von Kapitalgütern keine technische Erneuerung jemals hätte praktisch genutzt werden können“. Ein für das Verständnis der „Österreichischen Methode“ unverzichtbares Buch.

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