13. Mai 2016

RezensionIlja Trojanow: Der überflüssige Mensch

dtv Sachbuch

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Neue Perspektiven bietet das Bändchen nicht. Kein Gedanke, den man nicht schon zuvor gelesen hätte. Für Trojanow ist klar: Kapitalistisches Wirtschaften ist ein Nullsummenspiel. Ist einer materiell besser gestellt, dann deshalb, weil er einem anderen etwas weggenommen hat. Dass in freiwilliger Kooperation etwas – zum Vorteil aller Beteiligten – produziert werden könnte, liegt jenseits von Trojanows Denkhorizont. Eine Auswahl der präsentierten Platitüden: Ein Amalgam aus „neomalthusianischen“ und „sozialdarwinistischen“ Vorstellungen bestimmt das Denken der wirtschaftlichen Eliten; die „schwerreichen“ Westler sind die wahren Parasiten dieser Welt; wer mittels „dubioser Methoden Geld vor dem Staat versteckt, schadet dem Gemeinwohl“; die Westler müssen ärmer werden, damit alle übrigen wenigstens etwas zu Essen haben. Auch die Kritik an der ungleichen Vermögensverteilung kommt nicht zu kurz: „Gleich“ gleich „gerecht“, „ungleich“ gleich „ungerecht“. Daraus folgt: „Höchste Zeit, dass wir massives Vermögen grundsätzlich in Frage stellen, denn es gefährdet das Gemeinwohl.“ Damit befindet sich Trojanow in erstbester Gesellschaft, denn auch die deutschen Nationalsozialisten propagierten: „Gemeinnutz vor Eigennutz“. Natürlich plagt den Autor, wie alle verzagten linken Spießer, deren Elaborate die Sachbuchabteilungen der Buchhandlungen dominieren, die Sorge, dass uns die Arbeit ausgehen oder diese von Robotern übernommen werden könnte. Dieses Unglück sahen schon die Maschinenstürmer kommen, als Dampfmaschinen eingeführt wurden. Bis heute wimmelt es von arbeitslosen Leinenwebern. Eine „apokalyptische Gier“ führe zur „Entmenschlichung der anderen“. Klar, im sozialistischen Ameisenstaat mit Kommandowirtschaft ist Menschlichkeit bekanntlich Trumpf... Auf den letzten Seiten geht es um „Auswege“. Viel mehr als ein lahmer Aufruf „die bestehenden Allmenden mit Zähnen und Klauen zu verteidigen“ und die hohle Phrase „Wir benötigen utopische Entwürfe“ ist da nicht zu finden.


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