13. Mai 2016

RezensionPhilipp Bagus/Andreas Marquart: Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden

Und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen

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Es ist die wohl plakativste Formel der Wohlfahrtsökonomie: „r > g“. Sie ist das Destillat einer knapp 700 Seiten umfassenden Datenanalyse zur Einkommensverteilung des französischen „Rockstar-Ökonomen“ Thomas Piketty: Ist die durchschnittliche Kapitalrendite dauerhaft höher als die volkswirtschaftliche Wachstumsrate – was seit gut 40 Jahren der Fall ist –, konzentriert sich das (Geld-) Vermögen in zunehmend weniger Händen. Die Gefahr einer finanzoligarchischen Entartung steige somit sukzessive an. „Richtig!“, schreiben die beiden Kenner und Förderer der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, Andreas Marquart und Philipp Bagus. Obwohl die deutsche Übersetzung von „Le Capital au XXIe Siècle“ erst für 2015 angekündigt ist, hat das Autorenduo jüngst gewissermaßen eine vorauseilende Replik auf Pikettys Bestseller abgeliefert. Im Gegensatz zum datenwütigen Franzosen konzentrieren sie sich jedoch auf den im wahrsten Sinne des Wortes asozialen Hintergrund dieser Entwicklung, das staatliches Papiergeldsystem, „das wie ein Tabu in der sozialen Gerechtigkeitsdebatte behandelt wird“. Nicht zufällig setzt der letzte Vermögenskonzentrationszyklus mit der Aufhebung des Gold-Devisen-Standards im Jahr 1971 ein. Seither steigt im Zusammenwirken der führenden Notenbankbürokraten mit den teilreserveprivilegierten Banken die Geld- gleich Schuldmenge deutlich schneller als die Wirtschaftsleistung der jeweiligen Währungsgebiete. Wer profitiert? Die zwangsläufig staatsnahen Erstempfänger des neu geschaffenen Geldes, Vermögende, die ihre Aktiva als Sicherheiten für neue Kredite hinterlegen können und die Assetpreisinflation prozyklisch am Laufen halten, sowie der Staat, dem nicht nur die kalte Progression überproportional viele Mittel in die Kassen spült. Den „Sozialismus für Reiche“ raffiniert verpackenden gordischen Falschgeldknoten zu durchtrennen, haben sich die Autoren zum Ziel gesetzt. Möge ihr schmissiges, mit reichlich Zynismus geschriebenes Werk hierzu seinen Beitrag leisten.


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