11. Mai 2016

RezensionHenry Hazlitt: Die 24 wichtigsten Regeln der Wirtschaft

Neuauflage eines Klassikers

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Dieses Buch wurde erstmals 1946 unter dem Titel „Economics in One Lesson“ veröffentlicht. Nun liegt es erneut in deutscher Sprache vor. Der Autor folgt mit seinen Thesen der Arbeit „Was man sieht und was man nicht sieht“ des liberalen Ökonomen Frédéric Bastiat. Der Blick fürs ganze Bild unterscheidet den guten vom schlechten Ökonomen. Letzterer konzentriert seine Beobachtungen auf lediglich einen Aspekt einer (wirtschafts-) politischen Maßnahme und übersieht dabei die zeitgleich dadurch in anderen Sektoren bewirkten Folgen und auch deren langfristige Konsequenzen. Anhand zahlreicher Beispiele weist Hazlitt nach, dass jeder hoheitliche Eingriff ins Wirtschaftsgeschehen dauerhafte Folgen nach sich zieht, die der Volkswirtschaft in ihrer Gesamtheit so gut wie immer zum Nachteil gereichen. Ob bei der Festsetzung von Warenpreisen oder Löhnen; ob bei der Regulierung des Wohnungs- oder Arbeitsmarktes; ob bei der Rettung kranker Unternehmen und Branchen oder mit der Einführung von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen; stets kommt es damit zu Verzerrungen, die einer Minderheit (oft genug nur vorübergehend) Vorteile auf Kosten der Mehrheit verschafft. Diese hat dafür – auf welche Weise auch immer – zu bezahlen. Die Konzentration der Wirtschaftspolitik auf einen bestimmten Wirtschaftszweig oder Preis, eine zu beschützende Branche oder Personengruppe, lässt die Interessen desjenigen völlig außer acht, der dafür aufzukommen hat. Er ist „der vergessene Mann“. Man sieht zwar den durch Importzölle vor seinen (ausländischen) Konkurrenten beschützten Arbeiter im Kohlenbergbau, übersieht aber den mit diesem Eingriff in den Markt ausgeplünderten Tischler oder Bäcker. Die aus den angestellten Beobachtungen resultierende Erkenntnis Hazlitts lautet: „Das Problem im Ganzen zu sehen und nicht in Bruchstücken, das ist das Ziel der Wirtschaftswissenschaft.“ Politisches Wollen kann ökonomische Gesetzmäßigkeiten niemals außer Kraft setzen. Wer es dennoch versucht, muss mit den – stets negativen – Konsequenzen leben.


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