10. Mai 2016

RezensionUlrich Horstmann: Alles, was Sie über „Das Kapital im 21. Jahrhundert“...

...von Thomas Piketty wissen müssen

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Nie zuvor hat ein wirtschaftswissenschaftliches Werk wie „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von Thomas Piketty derart breite Aufmerksamkeit erfahren. Während etwa Keynes „General Theory“ nur beim Fachpublikum und der politischen Klasse Beachtung fand, stößt das Elaborat des Franzosen auf breites Interesse des Laienpublikums – namentlich dem aus den Reihen hauptberuflicher Neidgenossen. Mit seiner „Weltformel“ r > g (Kapitalrendite > Wirtschaftswachstum) und der daraus abgeleiteten Forderung nach noch mehr staatlicher Umverteilung, stärkerer Einkommenssteuerprogression und Substanzsteuern auf Vermögen liefert Piketty den Sozialisten in allen Parteien genau jene Argumente, mit denen die ihre Klassenkampfphantasien zu begründen trachten: Ohne massive staatliche Eingriffe in private Eigentumsverhältnisse drohe in unserer Zeit einer anhaltenden Wirtschaftskrise nicht nur die Erosion des geheiligten Wohlfahrtsstaates, sondern am Ende gar eine der Demokratie selbst. Ein geradezu erschreckendes Szenario! Piketty gebricht es nicht an Ambition. Mit weniger als damit, einen Bogen von der Zeit Christi bis in unsere Tage zu schlagen, gibt er sich nicht zufrieden. Da verlässliche Daten bis ins Jahr 1700 weitgehend fehlen, werden diese großzügig geschätzt. So setzt er die Kapitalrendite von 0 – 1700 bei 4,5 Prozent an. Dass der Autor seine Betrachtungen anstellt, ohne dabei die Rolle des Staates zu würdigen (so findet die Verteilungswirkung von Steuern keine Beachtung) erweist sich – im Sinne der von ihm geforderten „sozialen Gerechtigkeit“ – als sehr geschickt. Auch seine Konzentration auf nominale Vermögenswerte unter völliger Vernachlässigung der Wirkung der inflationistischen (staatlichen) Geldpolitik fügt sich bestens in das angestrebte Ziel, weiter in Richtung einer staatlich gelenkten Planwirtschaft voranzuschreiten. Die durch das Buch angestoßene Debatte steht erst am Anfang. Die Gegner eines allmächtigen Staates sind gefordert, sich nach Kräften daran zu beteiligen! 


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