09. Mai 2016

RezensionDaniel Stelter: Die Krise … ist vorbei … macht Pause … kommt erst richtig

Was passiert mit unserem Geld?

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Manche Namen lösen bei Kennern fiskalpolitischer Gruselpublikationen aus Angst vor akuter Schwindsucht einen reflexartigen Griff zur Brieftasche aus. Hierzu dürfte zweifelsohne auch Daniel Stelter gehören, Koautor der mittlerweile berüchtigten Studie „Back to Mesopotamia“ seines damaligen Arbeitgebers, der Boston Consulting Group, aus dem Jahr 2011. Unverhohlen wird hierin eine einmalige Vermögenssteuer in Höhe von bis zu 30 Prozent aller privaten Sparvermögen über 100.000 Euro als ein gangbarer Weg zur Lösung  der nach wie vor schwelenden (Staats-) Schuldenkrise in der EU vorgeschlagen. Diese Blaupause wurde bekanntermaßen in der Theorie durch den IWF und jüngst sogar die Bundesbank übernommen sowie in der Praxis in Zypern als Feldversuch exekutiert. Doch während ein Top-Berater und Kollege Stelters stante pede auf eine Schlüsselposition ins Bundesfinanzministerium wechselte, hielt dieser sich von der „dunklen Seite der Macht“ fern, kündigte gar seine gut dotierte Seniorpartnerschaft und hat sich seither als freier Redner und Autor einen Namen gemacht, der Zuhörer und Leser vor dem von ihm mit ausgearbeiteten Folterinstrumentarium präventiv zu schützen trachtet. Stelters jüngste Publikation könnte der Form nach indes glatt den Nachwehen seiner Consultinglaufbahn entsprungen sein. Sie kommt als gebundene Powerpoint-Präsentation im Notizenseitenmodus daher, die glücklicherweise auf jedes Beraterdeutsch verzichtet. Über insgesamt 77 Folien dekliniert Stelter Entstehung, Eskalation, Aufräumarbeiten und vor allem die offenen Baustellen der jüngsten globalen Schuldenparty durch. Statt langatmiger Erklärungen beschränkt er sich auf pointierte Graphiken, sacht unterlegt mit lakonischen Kommentaren. Am Ende stehen lediglich zwei realistische Szenarien: Inflationierung durch das Anwerfen der Notenpresse oder Schuldenrestrukturierung durch die Rasur der Vermögenden. Insgesamt liefert Stelter viel Statistik für wenig Geld: Bilder, die es wert sind, spätestens im nächsten Aufschuldungszyklus in Erinnerung gerufen zu werden.


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