04. Mai 2016

RezensionHans-Erdmann Korth: Das Newton Projekt

Newtons Geschichtsthese nach 300 Jahren bewiesen

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Wenn auch um den Hergang geschichtlicher Ereignisse gestritten werden mag, so ist doch unter Historikern die Chronologie selbst über jeden Zweifel erhaben. Dies erstaunt umso mehr, als dass sich die heutige Jahreszählung erst im Hochmittelalter durchsetzen konnte und das chronologische Grundgerüst bereits im 16. Jahrhundert festgeschrieben wurde. Die Bruchstellen dieses Gerüstes aufzudecken hat sich in Deutschland ein interdisziplinär besetzter, loser Verbund von Wissenschaftlern wie Laien seit über 20 Jahren zur Aufgabe gemacht. Mit der Zeitschrift „Zeitensprünge“ existiert sogar ein allerdings fachlich auf sehr hohem Niveau gehaltenes Sprachrohr der Chronologiekritiker. Obwohl von der zeitgenössischen akademischen Welt ignoriert, können sich diese immerhin auf einen Giganten der abendländischen Geistesgeschichte stützen. In seinem letzten, posthum erschienenen Werk „The Chronology of Ancient Kingdoms“ ist es Sir Isaac Newton (1643-1727), der die antike Chronologie einer Revision unterzieht. Über genau dieses Werk finden auch die beiden Hauptprotagonisten des vorliegenden populärwissenschaftlichen Romans in einem Stuttgarter Lokal zusammen. Fasziniert von Newtons Hypothese machen sich die quirlige Physikerin Sandra Bossi und der behäbige Kunsthistoriker Norbert Terrarius auf einen interdisziplinären Trip, der sie über die C14-Kalibrierungskurve, Baumring-Datierungen, Eisbohrkernanalysen, Königs- und Papstlisten, das Alte und Neue Testament sowie Sternenbilder und Konjunktionen schließlich zu einem uralten Archiv in der Klosterrepublik Athos führt. Dabei erinnert das Duo Terrarius/Bossi entfernt an Langdon/Neveu aus Dan Browns Bestseller „Sakrileg“. Als Einführung in die Thematik eignet sich das Buch nicht zuletzt aufgrund des umfangreichen Quellenverzeichnisses. Wer es hingegen streng wissenschaftlich mag, sei an das im letzten Jahr erschienene Werk „Der größte Irrtum der Weltgeschichte“ desselben Autors verwiesen.


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