03. Mai 2016

RezensionJean Raspail: Der letzte Franzose

Gedankliche und sprachliche Wucht

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„Noch nie hat es soviel Konformismus gegeben wie heute“, sagt Jean Raspail. Der große französische Denker, der, so Gott will, im kommenden Juli 90 Jahre alt wird, wurde den Lesern dieses Magazins von Martin Lichtmesz bereits vorgestellt (in ef 111). Raspail ist gläubiger Katholik, Monarchist und Verfasser aufsehenerregender Dystopien. Drei seiner Romane wurden bislang ins Deutsche übersetzt, immer noch gilt der französische Bestsellerautor hierzulande als Geheimtipp.  Lichtmesz ist nun auch dafür verantwortlich, dass eine kleine Auswahl aus dem essayistischen Werk Raspails erstmals auf Deutsch erschien. Lichtmesz barg dafür Perlen aus Notizen von Internetseiten, Vorworten zu Büchern oder Zeitungsartikeln, wog sie ab und übersetzte schließlich drei Aufsätze sowie einen vorweggestellten Fragebogen und ein hintangestelltes Interviewpotpourri aus drei Gesprächen mit dem „letzten Franzosen“. Zwei zentrale Kapitel des Büchleins sind getragen von Raspails Abneigung gegen Überfremdung durch Massenzuwanderung, wohl auch, weil dieselbe sein deutsches Sprachrohr antreibt. Selbst wer dieses Anliegen nicht oder nicht in dieser Vehemenz teilt, wird an dem handlichen Buch seine Freude finden, haben wir es bei Raspail doch mit einem der letzten (großen) Europäer zu tun. Wer Erik Kuehnelt-Leddihn, Nicolás Gómez Dávila oder Michael Klonovsky mag, wird auch von der gedanklichen und sprachlichen Wucht Raspails begeistert sein. Herausragend ist erstens die grandiose Abrechnung mit der „Tyrannei des Duzens“, die ef-Leser in der letzten Ausgabe vorfinden durften (ef 148), und sind zweitens die Passagen zur Verteidigung des Königtums. Dabei ist Raspails Royalismus „keine politische Position“. Es „ist vielmehr eine ethische, philosophische und religiöse Haltung. Der Royalismus ist eine schöne und vornehme Idee, die unseren edleren Bestrebungen Genugtuung verschafft; dem Heroismus und dem Sinn für das Sakrale und Ideale.“


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